Sonntag, 20. November 2005

Blutiges Wochenende im Irak: Anschläge fordern mehr als 100 Menschenleben

  • Bombenexplosion und Schusswechsel nahe Bagdad

Die Gewalt im Irak hat am Wochenende mehr als 100 Menschen das Leben gekostet. Bei einem Überfall auf eine Militärpatrouille nordwestlich von Bagdad wurden 24 Menschen getötet, wie die US-Militärführung am Sonntag mitteilte. An der Straße bei Haditha explodierte am Samstag zunächst eine Bombe. Danach griffen Aufständische die gemeinsame Patrouille von irakischen und amerikanischen Soldaten mit Schusswaffen an. Bei den Toten handelt es sich um 15 Iraker, acht Rebellen und einen US-Soldaten.

Zwei Bombenanschläge kosteten am Samstag über 60 Menschen das Leben. Nahe der Stadt Bakuba fuhr ein irakischer Selbstmordattentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto in einen schiitischen Trauerzug und riss nach jüngsten Angaben 50 Menschen mit in den Tod. 75 weitere Personen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Stunden zuvor kamen bei einem Bombenanschlag auf einen Markt unweit von Bagdad mindestens 13 Menschen ums Leben, 21 weitere wurden verletzt. Unter den Toten waren nach Polizeiangaben auch fünf Frauen. Erst am Freitag waren bei Anschlägen auf zwei Moscheen mindestens 76 Menschen umgekommen.

Amerikanische und irakische Soldaten töteten bei einer Razzia in Mossul (Mosul) am Samstag acht mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation Al Kaida im Irak. Ein Polizeisprecher erklärte, die Truppen hätten bei Sonnenaufgang ein Bauernhaus durchsuchen wollen. Dabei sei es zu einem Feuergefecht gekommen. Drei der Aufständischen zündeten den Angaben zufolge Sprengsätze und töteten sich selbst, fünf weitere kamen im Schusswechsel ums Leben. Auch vier Polizisten wurden getötet.

Demos gegen Misshandlung von Häftlingen
Hunderte Iraker protestierten am Sonntag im Westen Bagdads gegen die Folter von Häftlingen in Gefängnissen des irakischen Innenministeriums. Die Demonstranten zogen mit Bildern von misshandelten Menschen durch die Stadt und forderten die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die irakische Regierung und die US-Behörden auszuüben. US-Soldaten hatten in der vergangenen Woche in einem Gefängnis 173 unterernährte und teilweise misshandelte Häftlinge entdeckt.

Auf Einladung der Arabischen Liga kamen in Kairo rund 100 politische Vertreter des Iraks zu einer Versöhnungskonferenz zusammen. Der irakische Präsident Dschalal Talabani sprach sich gegen die Teilnahme von Aufständischen und Anhängern des früheren Staatschefs Saddam Hussein am politischen Prozess aus. Bei dem Treffen wollten die Delegierten eine weitere Versöhnungskonferenz vorbereiten, die im kommenden Jahr stattfinden soll.

In einer von den Republikanern angestrengten Abstimmung lehnte das US-Repräsentantenhaus am Freitagabend einen sofortigen Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak ab. Ausgelöst hatte die Debatte der demokratische Abgeordnete John Murtha, der sich am Donnerstag für den sofortigen Abzug ausgesprochen hatte. Die Entscheidung fiel mit 403 zu 3 Stimmen. Die Demokraten sprachen von einer politischen Show.

(apa/red)

20.11.2005 09:46