EU-Parlament enzweit: Fragwürdiges Anti-Abtreibungsplakat erzürnt die Gemüter
- Polnische Abgeordnete zeigen Foto von Kindern im KZ
Im Europaparlament ist ein Streit um eine Ausstellung gegen Abtreibung entbrannt, die von polnischen Konservativen organisiert wurde und unter anderem ein Foto von Kindern in einem KZ zeigte. Wie der amtierende Vizepräsident des Parlaments, der französische Grüne Gérard Onesta, in Straßburg mitteilte, wurden die Fotos und Plakate nach der Intervention mehrerer Abgeordneter der sozialistischen Fraktion zurückgezogen.
Die belgische Sozialistin Véronique de Keyser sagte, sie sei mit einigen anderen Parlamentarierinnen von Mitgliedern der ultrakonservativen "Liga der polnischen Familien" tätlich angegriffen und als "Nazis" beschimpft worden, weil sie gegen die Ausstellung protestiert habe. Schließlich habe der Ordnungsdienst des Parlaments eingegriffen.
Plakat zeigt Kinder im KZ
Das besonders kritisierte Plakat zeigt Kinder mit gestreiften Häftlingsanzügen hinter dem Stacheldrahtzaun eines Konzentrationslagers. Daneben ist geschrieben: "Wenn einer Mutter erlaubt wird, ihr eigenes Kind zu töten, wie wollen wir dann verhindern, dass wir uns gegenseitig töten?" Damit werde ein Zusammenhang zwischen Shoah und Abtreibung hergestellt, betonte de Keyser.
Nach Angaben eines Parlamentssprechers hatten die polnischen Abgeordneten die Erlaubnis für eine Ausstellung "über das Recht auf Leben" beantragt, dabei jedoch das fragliche Plakat nicht vorgelegt. Sie hätten die für die Genehmigung zuständige Abgeordnete "regelrecht getäuscht". Die Angelegenheit werde nun vom Präsidium des Parlaments geprüft.
Der Abgeordnete Marciej Giertych von der "Liga der polnischen Familien" sagte der Nachrichtenagentur AFP, die gleiche Ausstellung sei unbeanstandet im polnischen Parlament gezeigt worden. Dass sie nun im Europaparlament entfernt wurde, sei ein Verstoß gegen das Recht auf Meinungsfreiheit. (apa)
