USA setzten Phosphor im Irak ein: Kämpfer wurden mit Brandwaffen in Falluja bekämpft
- Grausame Folge: Brandwunden bis auf die Knochen
- Sunniten fordern Untersuchung zu Geheimgefängnis
Das US-Verteidigungsministerium hat eingeräumt, dass US-Truppen bei der Großoffensive im irakischen Falluja vor einem Jahr Phosphor als Waffe eingesetzt haben. Pentagon-Sprecher Barry Venable sagte am Dienstag dem britischen Sender BBC, Weißer Phosphor sei in Falluja als Brandwaffe gegen Aufständische eingesetzt worden. Den Vorwurf, Phosphorgranaten seien auch gegen Zivilisten abgefeuert worden, wies Venable zurück. Unterdessen forderten Sunniten im Irak eine Untersuchung zu einem kürzlich entdeckten Geheimgefängnis.
Auch die im Südirak stationierten britischen Soldaten setzen Phosphor ein, aber nicht als Waffe, wie ein Sprecher von Premierminister Tony Blair am Mittwoch versicherte. Das hochentzündliche Material werde nur verwendet, um Rauch zu verursachen. Weißer Phosphor entzündet sich ab Temperaturen von etwas mehr als 30 Grad Celsius, sobald er mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Dabei entstehen eine Stichflamme und dichter weißer Qualm.
"Weißer Phospor ist eine konventionelle Munition, keine chemische Waffe", sagte Pentagon-Sprecher Venable am Dienstagabend. "Wir benutzen es in erster Linie als Verdunkler, für Rauchvorhänge oder zur Markierung von Zielen. Es ist aber auch als Brandwaffe gegen feindliche Kämpfer eingesetzt worden", fügte er hinzu. Weißer Phosphor sei nützlich, um Aufständische aus Positionen zu vertreiben, die nicht mit normaler Artillerie erreicht werden könne.
Die Grünen im Europaparlament erklärten, der "absichtliche und gezielte Einsatz von Weißem Phosphor gegen Menschen" sei ein "eklatanter Verstoß" gegen das Protokoll der Konvention zum Einsatz Konventioneller Waffen von 1980. In diesem sind Einsätze von Brandbomben verboten, bei dem auch Zivilisten zu Schaden kommen könnten. Der NATO-Rat solle sich dafür einsetzen, dass die USA das Abkommen unterzeichnen und sicherstellen, dass innerhalb der NATO generell auf den Einsatz von Weißem Phosphor verzichtet werde.
Vergangene Woche hatte der italienische Fernsehsender RAI 24 berichtet, die US-Streitkräfte hätten in Falluja eine Art Napalm und Weißen Phosphor gegen Aufständische und Zivilisten eingesetzt. Die Autoren der Dokumentation beriefen sich unter anderem auf Aussagen amerikanischer Soldaten. Dies wurde vom US-Außenministerium bestritten. Noch in einem am Dienstag von der britischen Zeitung "The Independent" veröffentlichten Brief des US-Botschafters in Großbritannien, Robert Tuttle, hieß es, "US-Streitkräfte setzen Napalm oder Weißen Phosphor nicht als Waffen ein".
Nach der Entdeckung eines geheimen Gefängnisses in Bagdad, in dem mutmaßlich Häftlinge misshandelt wurden, forderten die sunnitischen Führer des Landes eine unabhängige Untersuchung. Bei den von Schiiten dominierten Sicherheitskräfte sei die Anwendung von Foltermethoden weit verbreitet, hieß es. Die Regierung könne nicht gleichzeitig Richter und Partei sein, sagte Abdel Salam al Kubassi vom Rat der Ulemas der Nachrichtenagentur AFP. Auch die größte Sunnitenpartei, die Islamische Partei, forderte eine internationale Untersuchung. Möglicherweise seien ranghohe Mitglieder der irakischen Regierung in die Vorfälle verwickelt, sagte ein Parteisprecher.
US-Soldaten fanden nach irakischen Regierungsangaben bei einer Razzia in einem Gebäude des Innenministeriums am Sonntag 173 nicht registrierte Gefangene. Einige Häftlinge hätten berichtet, in der Haft misshandelt worden zu sein und nicht genug Nahrung erhalten zu haben, sagte Ministerpräsident Ibrahim Jaafari, der eine Sonderkommission mit einer Untersuchung beauftragte. Die meisten Häftlinge gehörten demnach zur sunnitischen Bevölkerungsminderheit.
(apa/red)
