Dienstag, 15. November 2005

Sechs Tote bei Anschlag in Pakistan: Auto-Bombe explodiert vor US-Fast-Food-Lokal

  • Sprengsatz war in geparktem Auto vor Restaurant
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Bei einem Anschlag auf ein Fast-Food-Restaurant in der pakistanischen Metropole Karachi sind am Dienstag mindestens sechs Menschen getötet worden. Die Bombe sei in einem geparkten Auto vor einem Lokal der US-Kette "Kentucky Fried Chicken" versteckt gewesen und mit großer Wucht explodiert, gab Karachis Polizeichef Mushtaq Shah bekannt. Bei den Toten handle es sich offenbar um Gäste des Schnellrestaurants, sagte ein Mitarbeiter der Rettungsdienste. Mehrere Menschen seien verletzt worden. In den vergangenen Monaten waren US-Schnellrestaurants in Karachi mehrfach Ziel von Anschlägen.

"Es sieht so aus, als sei Kentucky Fried Chicken das Ziel gewesen", sagte der Polizeichef. Ein Polizeioffizier am Tatort sprach von einem "Akt des Terrorismus". Die Bombe sei wahrscheinlich per Fernsteuerung gezündet worden. Das Restaurant wurde durch die Explosion schwer beschädigt. Auch eine nahe gelegene Bankfiliale wies große Schäden auf. Die Detonation brachte Fenster in Nachbargebäuden zum Bersten. Das Schnellrestaurant liegt in der Nähe der Luxushotels Sheraton und Pearl Continental. Die Polizei riegelte das Viertel ab.

In Pakistan werden immer wieder Anschläge auf Schnellrestaurants verübt, die islamistischen Attentätern als Symbol für den Westen gelten. Erst vor zwei Monaten waren bei Bombenanschlägen auf US-Fast-Food-Restaurants in Karachi mehrere Menschen verletzt worden. Die Sprengsätze waren damals vor Lokalen von McDonald's und Kentucky Fried Chicken explodiert. Im Mai starben sechs Mitarbeiter einer anderen Kentucky-Fried-Chicken-Filiale, als ihr Restaurant von einer Gruppe demonstrierender Schiiten angezündet worden war.

Die Bombe explodierte einen Tag nach einem Interview des pakistanischen Staatschefs Pervez Musharraf im US-Nachrichtensender CNN, in dem er sich auch zum Terrorismus in seinem Land äußerte. Am Tag der Explosion fand vor einem Gericht in Karachi eine Anhörung im Berufungsverfahren gegen einen Islamisten statt, der wegen der Ermordung des US-Journalisten Daniel Perl zum Tode verurteilt worden war.

Belutschen-Gruppe bekennt sich
Zu dem Anschlag hat sich die Untergrundgruppe "Nationale Armee Belutschistans" (Baluchistan) bekannt. Die Gruppe kämpft für die Rechte der Belutschen in der gleichnamigen südwestlichen Provinz. Ein Sprecher der Gruppe, Chakar Asam, sagte in einem Anruf bei Nachrichtenagenturen, man habe mit dem Anschlag keine Zivilisten treffen wollen. "Wir haben es getan, um zu protestieren und um Druck auf die Regierung auszuüben, damit wir unsere Rechte bekommen."

In dem Gebäude haben auch zahlreiche Öl-Firmen Büros, darunter die "Pakistan Petroleum", die das größte pakistanische Ölfeld in Belutschistan betreibt. Die lokalen Behörden zweifelten diese Bekennerversion allerdings an.

(apa)

15.11.2005 07:20