Montag, 14. November 2005

Deutscher Soldat stirbt bei Anschlag in Afghanistan: Weitere 5 Personen verletzt

  • Bei Selbstmordattentat im Osten des Landes

Ein deutscher Soldat der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) ist am Montag in Kabul bei einem Selbstmordattentat getötet worden. "Ein deutscher Soldat wurde getötet, zwei weitere deutsche Soldaten und drei Zivilisten wurden verletzt", sagte der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Yusuf Stanisai. Der Anschlag wurde demnach im Osten Kabuls an der Straße nach Jalalabad verübt.

Der Attentäter lenkte seinen mit Sprengstoff beladenen Toyota laut Stanisai gegen ein vor einem UN-Büro stehendes ISAF-Fahrzeug mit Bundeswehrsoldaten. Kurze Zeit später wurde ebenfalls im Osten Kabuls ein weiteres Fahrzeug in die Luft gesprengt. Dabei starb ein Zivilist, ein afghanischer Polizist wurde verletzt.

Das Einsatzführungskommando Potsdam der Bundeswehr bestätigte, dass ein Anschlag auf ein Bundeswehrfahrzeug verübt wurde, konnte jedoch zunächst keine Einzelheiten mitteilen. Die Rettungsarbeiten seien "in vollem Gange", sagte ein Sprecher des Kommandos am frühen Nachmittag. Die Bundeswehr hatte sich in den vergangenen Wochen an der Überwachung der Parlamentswahlen in Afghanistan beteiligt, die am 18. September abgehalten worden waren und deren Ergebnis am Samstag bekannt gegeben wurde. Das vom Anschlag betroffene ISAF-Fahrzeug parkte vor einem Gebäude der Wahlaufsicht (JEMB). Im Umfeld der Wahlen verübten die Ende 2001 gestürzten Taliban in Afghanistan zahlreiche Anschläge. Zu den Explosionen vom Montag bekannte sich zunächst niemand.

Auch der Chef des neunten Kabuler Polizeibezirks, Mohammed Akbar, bestätigte, dass bei dem Selbstmordanschlag neben dem Attenäter ein deutscher ISAF-Soldat getötet und zwei weitere verletzt wurden. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Selbstmordanschlag und der zweiten Explosion in Kabul bestand, war zunächst unklar.

Bei zweiter Explosion Taxi in die Luft geflogen
Nach Angaben eines Journalisten wurde bei der zweiten Explosion nur wenige hundert Meter vom Ort des Selbstmordanschlags entfernt ein Taxi in die Luft gesprengt. Am 28. September wurde an der Ausfallstraße von Kabul Richtung Jalalabad ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem in einem Ausbildungslager der afghanischen Armee neun Menschen getötet und 36 verletzt wurden.

Unmittekbar nach dem tödlichen Anschlag auf die Bundeswehr in Kabul haben Soldaten der Internationalen Schutztruppe das Feuer auf ein Auto mit Kindern eröffnet. Augenzeugen berichteten, der Wagen habe trotz Aufforderung der Soldaten nicht angehalten. Britische und afghanische Truppen an einem der zwei Anschlagorte vom Montag hätten daraufhin mehr als 100 Schüsse auf das Fahrzeug abgegeben, in dem der Fahrer und zwei Kinder gesessen hätten. Zunächst war unklar, ob die Insassen überlebten.

Taliban bekennen sich zu Anschlag
Taliban-Rebellen haben sich zu dem Selbstmordanschlag auf deutsche Bundeswehrsoldaten bekannt und einen weiteres Attentat angekündigt. "Wir übernehmen die Verantwortung für die heutigen Anschläge in Kabul", sagte ein Taliban-Sprecher, der sich Doktor Hanif nannte, am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Bereits 2003 vier tote deutsche Soldaten
Im Juni 2003 waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus der Bundeswehr in Kabul vier deutsche Soldaten getötet und 29 weitere verletzt worden. An dem NATO-geführten Friedenseinsatz in Afghanistan sind derzeit knapp 2250 Bundeswehrsoldaten beteiligt. Der größte Teil des Kontingents leistet seinen Dienst in der Hauptstadt Kabul.

Darüber hinaus ist die Bundeswehr mit sogenannten Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in Kunduz und Faisabad im Norden des Landes im Einsatz. Ein weiterer Stützpunkt ist in der drittgrößten afghanischen Stadt Mazar-i-Sharif geplant. Die PRTs unter ISAF-Führung sollen in den Provinzen für mehr Sicherheit sorgen und den Wiederaufbau des Landes praktisch unterstützen. Ende September hatte der Bundestag die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes beschlossen.
(apa/red)

14.11.2005 15:29