Freitag, 18. November 2005

Nach Bombenexplosion in Wien-Hernals: Polizei hat Schutz für Moscheen verstärkt

  • Die Ermittler haben noch keine heiße Spur gefunden
  • Zusammenhang mit Islam-Konferenz unwahrscheinlich

Die Wiener Polizei hat nach der Bombenexplosion in Wien-Hernals in der Nacht den Schutz für die rund 60 Moscheen der Bundeshauptstadt verstärkt. In dem Haus in der Mariengasse 8, vor dessen Eingang sich die Explosion ereignet hatte, ist auch ein Gebetshaus der Union islamischer Kulturzentren untergebracht. Man habe die Überwachung der Moscheen der Gefährdungslage angepasst, hieß es ei der Polizei.

Zu den Hintergründen für die Bombenexplosion tappen die Ermittler weiter im Dunkeln. Man befinde sich nach wie vor auf der Suche nach der heißen Spur. Hoffnungen setzt man auf die Auswertung der kriminaltechnischen Untersuchung, die aber erst in ein bis zwei Wochen vorliegen wird. Erst wenn man wisse, um welche Art von Sprengstoff es sich handle, könne man in eine bestimmte Richtung ermitteln, sagte Polizeisprecher Walter Hladik.

Die Bombe war Mittwoch gegen 2.30 Uhr vor der hölzernen Eingangstür des Hauses Mariengasse 8 detoniert. Die Tür wurde zerstört. In dem Haus befinden sich unter anderem ein Gebetshaus der Union islamischer Kulturzentren und ein türkisches Obst- und Gemüsegeschäft. Anrainer hatten von einem rassistisch motivierten Anschlag gesprochen. In dem Haus wohnen Familien aus der Türkei, dem Iran und Afghanistan.

Einen rassistischen Hintergrund wollte Hladik ebenso wenig bestätigen oder dementieren wie mögliche andere Motive. Zu viel passe nicht zusammen in dem Fall. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) habe bisher keine konkreten Erkenntnisse erhalten. Ein Bekennerbrief ist ebenfalls nicht aufgetaucht.

Ermittler halten einen Zusammenhang mit der am Mittwoch zu Ende gegangenen Islam-Konferenz in der Bundeshauptstadt für eher unwahrscheinlich. Warum hätte ein Attentäter in die Hernalser Mariengasse gehen sollen, wenn er die Konferenz in der Hofburg meint, lautet das Argument. Überhaupt ist den Kriminalisten unklar, wer oder was mit dem Bombenanschlag gemeint war. Der Sprengkörper sei weder vor dem Geschäft noch vor der Moschee platziert gewesen. (apa)

18.11.2005 11:19