Neue Details in der Causa "Porno-Arzt": Immer mehr Frauen wollen Aussagen tätigen
- Knittelfelder stand 1999 & 2004 im Visier der Justiz
- Skandal-Doktor wurde als Schularzt fristlos entlassen
Der 52-jährige praktische Arzt aus der Obersteiermark, der Porno-Fotos seiner Patientinnen aufgenommen haben soll, ist nach wie vor nur teilgeständig. Er gebe zwar zu, die Fotos gemacht zu haben, zu den sexuellen Handlungen sei seine Haltung aber eher ausweichend, berichtet die Staatsanwaltschaft Leoben. Der Mediziner befindet sich in Untersuchungshaft. Unterdessen kamen neue Details zu den beiden früheren Anzeigen ans Tageslicht, die gegen den "Porno-Arzt" gelaufen sind.
Die Polizei erhofft sich bei der Auswertung der 500 sichergestellten Bilder Mithilfe aus der Bevölkerung. "Wenn sich Betroffene melden, würde das die Arbeit wesentlich erleichtern", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, Thomas Mühlbacher, gegenüber der APA. Es sollen sich bereits Zeugen bei der Polizei gemeldet haben. Bei Gericht ging bisher ein Anruf vom Bruder eines mutmaßlichen Opfers ein.
Zwei frühere Anzeigen
Bekannt wurden auch Details zu zwei Anzeigen, die bereits in den vergangenen Jahren erstattet worden sind. 1999 wurde dem Arzt vorgeworfen, in einem Swingerclub eine Frau verletzt zu haben. Im Vorjahr soll er eine Frau mit "geistigem Handicap" vor seiner Ordination angesprochen und mitgenommen haben. Anschließend soll es dann zu sexuellen Handlungen gekommen sein. "Ein Gutachten ergab damals, dass die Frau trotz ihrer Behinderung in der Lage gewesen ist, zu erkennen, worum es ging", erklärte Mühlbacher. Es hätte in beiden Fällen keine Beweise oder eine Grundlagen für eine Anklage gegeben.
Trotzdem waren die Anzeigen hilfreich. "Als der aktuelle Fall bekannt wurde, ist ein Kollege von damals hellhörige geworden und hat in Erinnerung an die beiden Anzeigen dafür gesorgt, dass rasch vorgegangen wird", so der Staatsanwalt. Zu den Bildern hieß es, dass diese eindeutig das zeigen, was vom Gesetz her verboten ist. Ob die Praktiken des Arztes tatsächlich schon zehn Jahre andauern, wollte Mühlbacher nicht bestätigen: "Dafür gibt es noch keine Beweise".
Verdächtiger war Schularzt
Nach Bekanntwerden der Porno-Affäre hat nun auch der Landesschulrat Konsequenzen gezogen: Der Obersteirer, der auch in einer Handelsschule in Knittelfeld tätig ist, wurde gekündigt: "Der Mann ist als Schularzt untragbar und wurde fristlos entlassen", erklärte Sepp Prassl aus dem Büro des Landesschulratspräsidenten.
Übergangsweise bis zur Bestellung eines neuen Schularztes wird der Kollege aus einer Nachbarschule die Betreuung der Schüler mitübernehmen. "Bis dahin wird es mit allem rund drei Monate dauern", so Prassl. Der 52-jährige praktische Arzt, der inzwischen in U-Haft sitzt, war rund zehn Jahre eine Stunde pro Woche in der Schule tätig. "Auch wenn er sich dort nichts zu Schulden hat kommen lassen, war die Entlassung - ohne zu überlegen - die einzig logische Konsequenz", erklärte der Büroleiter.
(apa/red)
