Mittwoch, 16. November 2005

FPÖ will Seledec: ORF-Chefredakteur soll nach Freistellung bei Wahl 2006 kandidieren

  • NEWS: Seledec soll auf sicherem Listenplatz antreten
  • Freistellung nach Besuch an Grab von Nazi-Flieger

ORF-Chefredakteur Walter Seledec soll nach seiner Beurlaubung in die Politik gehen. Wie das aktuelle NEWS berichtet, will die Wiener FPÖ Seledec bei der Nationalratswahl 2006 auf ihrer Liste aufstellen.

ORF-Chefredakteur Walter Seledec fühlt sich als "Opfer einer Partisanenschlacht". Die "Partisanen", die den bekennenden Freiheitlichen so "übel" malträtieren sollen, seien seine ORF-Kollegen, die seine "Abberufung" fordern, weil er am 6. November – NEWS berichtete ausführlich – an einer Kranzniederlegung für den NS-Flieger Walter Nowotny teilgenommen hatte. ORF-Generaldirektorin Monika Lindner hat Seledec – wie NEWS als Erstes outete – "bis zur restlosen Klärung durch eine Kommission dienstfreigestellt".

Nun hat sich der ORF-Mann und Brigadier des österreichischen Bundesheeres an seine "Kameraden" in der FPÖ gewendet. Sie wollen den treuen Parteisoldaten Seledec "keinesfalls im Stich lassen", erklärt ein Wiener Blauer. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der wörtlich meint, "Nowotny war kein Nazi, sondern ein anständiger Soldat", will Seledecs Job im ORF retten.

Allerdings müsste der 61-Jährige ohnehin in einem Jahr in Pension gehen. Und so wünschen sich nun die Wiener Blauen, dass ihr Ex-Pressemann auf der blauen Nationalratsliste für die Wahl 2006 "auf einem sicheren Listenplatz kandidieren" werde. Besondere Unterstützung erhält Seledec dabei vom Wiener FP-Stadtrat Johann Herzog, der mit Seledec im "Verein zur Grabpflege Nowotnys" sitzt, und vom ehemaligen FPÖ-Nationalratsabgeordneten und Neo-FP-Gemeinderat Wolfgang Jung. Der schlagende Burschenschafter (Olympia) Jung ist – wie Seledec – Brigadier des Heeres.

FP-Chef Strache wird den unter Beschuss geratenen ORF-Mann, der erst vor wenigen Wochen mit ihm gemeinsam eine Todesanzeige für Ex-FP-Chef Friedrich Peter unterschrieben hatte, "mit Freude als Quereinsteiger" präsentieren, erklärt jedenfalls ein Strache-Vertrauter.

(NEWS)

16.11.2005 17:16