"Tiger" Gerd Bacher feiert heute den 80er: Ex-ORF-General mit Situation unzufrieden!
- "Enttäuscht" vom Umgang mit dem Rundfunk-Erbe
Der langjährige ehemalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher feiert heute seinen 80. Geburtstag. 20 Jahre lang - mit Unterbrechungen - stand Bacher an der Spitze des Österreichischen Rundfunks. "Seinem" Unternehmen blieb er auch nach seinem Abschied 1994 verbunden. Nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Mitglied des "Weisenrats" für das neue ORF-Gesetz im Jahr 2001 erhob er immer wieder in medien- und ORF-politischen Belangen das Wort. "Nur Rabenväter nabeln sich ab", sagt er kürzlich in einem Interview.
Mit so mancher Entwicklung am Küniglberg ist Bacher denn auch nicht zufrieden, lässt er durchblicken: Die Debatte über eine mögliche Aufgabe des renovierungsbedürftigen ORF-Zentrums etwa verfolge er "mit Misstrauen, weil man nicht den Eindruck hat, als hätten die Verantwortlichen mit dem Erbe des ORF allzu viel im Sinn". Auch der Abschied des ORF von seinem charakteristischen Logo, dem "Auge", missfällt ihm: "Man schaffte das ORF-Auge nicht ab, sondern 'legte es still'. Das ist, als ob Mercedes Benz den Stern 'stilllegen' würde. Solche Respektlosigkeit widerspricht intelligentem Marketing, sie missachtet Stil und Tradition."
Mit Kritik am ORF-Programm hält sich Bacher dagegen vornehm zurück, denn "ich gehöre nicht zu den Scheißern, die unentwegt sagen: Ja, zu meiner Zeit!", wie er dem "profil" zuletzt sagte. "Es ist ganz klar, dass schon allein technisch heute viel mehr möglich ist. Das Gute schaut alle zehn Jahre anders aus. Aber immer muss es gut sein." Der mit dem ORF-Gesetz 2001 offiziell "entparteipolitisierte" Stiftungsrat der öffentlich-rechtlichen Anstalt dagegen ist für Bacher "die größte Enttäuschung überhaupt", meinte er im "Standard": "Weil er nicht für die Durchsetzung des an sich tauglichen Gesetzes sorgt. Dieses Gesetz wird sowohl vom Stiftungsrat wie von der Geschäftsführung geschwänzt."
Bacher wurde am 18. November 1925 in Salzburg geboren. Dort begann er auch seine Laufbahn als Journalist. 1954 wurde er nach Wien als Chefredakteur des neu gegründeten "Bild-Telegraf" berufen, zwei Jahre lang - von 1958 bis 1960 - war er Chefredakteur des von ihm mit gegründeten "Express". Von 1967 bis 1975, von 1978-1986 sowie von 1990 bis 1994 war Bacher ORF-Generalintendant. Ende der achtziger Jahre fungierte er für kurze Zeit als Herausgeber der "Presse", bevor er ein weiteres Mal an die ORF-Spitze gewählt wurde. Seinen runden Geburtstag hat der Jubilar, dem nach eigenen Bekunden "überhaupt nie fad" ist, bereits Anfang November mit Freunden und Wegbegleitern in den Rosenhügel-Studios gefeiert. (apa/red)
