Mittwoch, 16. November 2005

Nach Bombenanschlag in Wien: Warten auf kriminaltechnischen Analyse geht weiter!

  • Die Ermittlungen laufen momentan in alle Richtungen
  • Islam-Konferenz scheint kein Thema. PLUS: Bilder

Die Ermittlungen rund um die Bombenexplosion vor einem vor allem von türkisch-stämmigen Mietern bewohnten Gebäude in Wien-Hernals in der Nacht auf Mittwoch gestalten sich zäh: Für die Polizei heißt es Warten auf die Ergebnisse der kriminaltechnischen Analyse. Erst wenn man wisse, um welche Art von Sprengstoff es sich handle, könne man in eine bestimmte Richtung ermitteln, sagte der Sprecher der Wiener Bundespolizeidirektion, Walter Hladik, am Donnerstag.

Wann die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung vorliegen werden, konnte Hladik nicht sagen. "Das wird noch dauern", meinte er. Die Bombe war Mittwoch gegen 2.30 Uhr vor der hölzernen Eingangstür des Hauses Mariengasse 8 detoniert. Die Tür wurde zerstört. In dem Haus befinden sich unter anderem ein Gebetshaus der Union islamischer Kulturzentren und ein türkisches Obst- und Gemüsegeschäft. Anrainer hatten am Mittwoch von einem rassistisch motivierten Anschlag gesprochen. In dem Haus wohnen Familien aus der Türkei, dem Iran und Afghanistan.

Das Motiv ist unklar
Einen rassistischen Hintergrund wollte Hladik ebenso wenig bestätigen oder dementieren wie mögliche andere Motive. Zu viel passe nicht zusammen in dem Fall. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) habe bisher keine konkreten Erkenntnisse erhalten. Ein Bekennerbrief ist ebenfalls nicht aufgetaucht.

Ermittler halten einen Zusammenhang mit der am Mittwoch zu Ende gegangenen Islam-Konferenz in der Bundeshauptstadt für eher unwahrscheinlich. Warum hätte ein Attentäter in die Hernalser Mariengasse gehen sollen, wenn er die Konferenz in der Hofburg meint, lautet das Argument. Überhaupt ist den Kriminalisten unklar, wer oder was mit dem Bombenanschlag gemeint war. Der Sprengkörper sei weder vor dem Geschäft noch vor der Moschee platziert gewesen.

Die türkische Union islamischer Kulturzentren gilt als von einer eher mystischen Auslegung des Islam geprägt. Sie dürfte relativ weltoffen sowie neo-traditionalistisch sein. Schwerpunkt der Verbandsarbeit in Österreich liegt wohl in der religiösen Erziehungstätigkeit, wobei die klassische Ausbildung, also Beherrschung der arabischen Sprache und islamischen Theologie, eine zentrale Rolle einnimmt.

(apa/red)

16.11.2005 08:07