Dienstag, 15. November 2005

Aktionen in Städten: Demonstration
gegen "Misere" an Schulen & Universitäten!

  • ÖH, Schüler- und Gewerkschaftsvertreter mit Marsch
  • Gegen Zugangsbeschränkungen und den Sparkurs

Unter dem Motto "Schule, Uni, Lehre, stoppt die Misere" demonstrierten am Freitag Studenten-, Schüler- und Gewerkschaftsvertreter "für offenen Hochschulzugang, Schulbildung für alle und Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit" in Wien. Nach dem Demo-Auftakt mit rund 800 Schülern und Lehrlingen gegen 09.45 Uhr bei der Oper hatten sich vor der Hauptuni noch einmal rund 200 Studenten eingefunden.

Bei Schülern und Lehrlingen dominierten die Fahnen von Sozialistischer Jugend (SJ) und der SP-nahen Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) - mit Parolen wie "Sie sagen kürzen, wir sagen stürzen" bzw. "Bildung für alle, sonst gibt's Krawalle" ging es primär gegen die Regierung. Daneben gab es noch Transparente a la "Sparen macht uns plöd" oder "2 plus 2 = 8. Danke Liesl! Gut hast du das gemacht".

Beinahe schon gesetzt wirkten dagegen die Slogans des vor der Uni versammelten Studenten-Häufleins, zu dem sich auch der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald gesellte: "Durchbrecht die Schranken" lautete das Groß-Transparent der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), ein weiteres Spruchband richtete sich "Gegen Eliten und Denkfabriken". Dagegen wirkten die Transparente des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) mit "Brot für die Welt - Torte für Gehrer" fast schon aufrührerisch.

Zum Protest aufgerufen haben die ÖH-Bundesvertretung, lokale Hochschülerschaften und Akademievertretungen, die Landesschülervertretung Wien sowie die Jugend der Gewerkschaft der Privatangestellten und der Metaller. Demonstriert wurde gegen Geldmangel bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, an den Schulen, den Universitäten oder an den Pädagogischen Akademien sowie gegen Zugangsbeschränkungen an Unis und Pädagogischen Akademien bzw. Hochschulen.

Der Demonstrationszug wurde später beim Wirtschaftsministerium von einer weiteren Lehrlings-Delegation verstärkt, dazu stieß auch noch eine Abordnung der Technischen Universität (TU). Am Höhepunkt waren dann knapp 2.000 Demonstranten unterwegs. Die Veranstalter überboten sich bei den Teilnehmer-Schätzungen: Während die Hochschülerschaft von 2.500 Teilnehmern sprach, machte die Sozialistische Jugend gleich 3.500 bis 4.000 aus.

Etwas schwächer war dann der Andrang bei der kurzen Abschlusskundgebung am Ballhausplatz, bei der Barbara Blaha (Verband Sozialistischer StudentInnen), AHS-Landesschulsprecherin Jasmin Unfried sowie Karl Dürtscher von der GPA vor einem Sparkurs bei der Bildung warnten. Die Grazer Studenten verzichteten auf eine eigene Protestkundgebung und entsandten eine kleine Delegation nach Wien. In der steirischen Landeshauptstadt soll erst im Frühjahr demonstriert werden.

Die politischen Reaktionen auf die Demo waren überschaubar: Die mit Abgeordneten vertretenen Grünen unterstützten den Protest, der Wiener SPÖ-Bildungssprecher Heinz Vettermann nannte die Demo in einer Aussendung "ein wichtiges Alarmsignal, das die Bildungsministerin sehr ernst nehmen sollte". ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek meinte dagegen, dass die "bescheidene" Anzahl der Teilnehmer zeige, dass sich Schüler, Studenten und Lehrlinge nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen wollten.

Klagenfurt: Mit Absperrband gegen Zugangsbeschränkung
Ein Labyrinth aus Absperrbändern errichteten am Freitagvormittag Vertreter der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) vor der Universität Klagenfurt, um gegen geplante Zugangsbeschränkungen in den Fächern Publizistik, Psychologie und Betriebswirtschaft zu protestieren. Diese Kundgebung war Teil eines bundesweiten Aktionstages gegen den "schwarz-blau-orangen Bildungsraub", wie es auf Flugzetteln hieß.

"Wir wollten nicht nach Wien fahren um zu demonstrieren, aus diesem Grund machen wir es hier", rechtfertigte der Klagenfurter ÖH-Vorsitzende, Andreas Prager, die eigene Veranstaltung, die zur selben Zeit wie eine Protestaktion in der Bundeshauptstadt stattfand.

Studenten, die ihre Universität in Klagenfurt betreten wollten, mussten sich erst durch einen Dschungel von Absperrbändern kämpfen, Transparente über dem Eingang verlautbarten: "Wir sind nicht beschränkt!" Demonstranten traten allerdings nicht in Erscheinung, lediglich auf einer Unterschriftenliste drückten einige Studenten ihren Unmut aus. (apa)

15.11.2005 12:44