Donnerstag, 10. November 2005

Tempo 160 auf Autobahnen: Gorbach bleibt trotz negativem Test weiter seiner Linie treu

  • Vizekanzler nennt das Ergebnis "nicht repräsentativ"
    Der Großteil der Autofahrer blieb bei Tempo 130
  • Umfrage: Soll Tempo 160 auf Autobahnen kommen?

Der Großteil der heimischen Autofahrer neigt nicht zur Raserei. Dieses Ergebnis brachte ein Test, der vom steirischen Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) auf einem von Verkehrsminister Vizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ) ins Auge gefassten Autobahnteilstück zur Einführung von Tempo 160 auf der A2, der Südautobahn, bei Graz durchgeführt wurde. Von über 20.000 ausgewerteten Fahrzeugen hielten sich rund drei Viertel an die 130km/h-Beschränkung.

Gorbachs Argumentation lautet sinngemäß, dass ohnedies die Mehrzahl der Autofahrer das bestehende Tempolimit nicht einhält. Dieser Ansatz lässt sich laut KfV-Untersuchung nicht untermauern: Genau 20.373 Fahrzeuge wurden bei einer 24-Stunden-Messung auf der Südautobahn, der A2, auf dem 14 Kilometer langen, mit jeweils drei Fahrstreifen ausgebauten Abschnitt zwischen Graz-West und Mooskirchen ausgewertet. "Es handelt sich eigentlich um eine laufende Messung, hat aber gut zur Diskussion um Tempo 160 gepasst", erklärte der steirischen Landesleiter des KfV, Peter Felber. Das doch überraschende Ergebnis: "Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 126 km/h, 72,7 Prozent waren mit unter 130 km/h unterwegs.", so der KfV-Experte. 3,4 Prozent fuhren über 160 km/h und zeichneten sich dadurch als "Risikofahrer" aus. Mit anderen Worten: Die Anhebung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit würde aus heutiger Sicht einer relativ kleinen Minderheit zu Gute kommen.

Auch der Zeitfaktor ist laut Felber zu vernachlässigen: "Es ergibt sich in dem Abschnitt lediglich eine Zeitersparnis von einer Minute", so der Verkehrsexperte. Die Untersuchung, die von einer Brücke aus durchgeführt wurde, ergab weiter, dass fast die Hälfte aller Lenker deutlich zu dicht auffährt. "Zu hohe Geschwindigkeit und zu wenig Abstand stellen einen tödlichen Cocktail dar", so der Landesleiter.

Wichtiges Argument gegen die Anhebung des erlaubten Maximaltempos ist laut Felber die höhere Inhomogenität der auf den verschiedenen Fahrspuren gefahrenen Geschwindigkeiten. Hinzu käme außerdem noch das Lärm- und Abgas-Argument, das ebenfalls gegen Tempo 160 spreche, so der steirische KfV-Landesleiter.

Für Gorbach-Sprecher sind viele Fragen unbeantwortet
Zum Test des steirischen Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) meldete sich Donnerstagnachmittag auch Verkehrsminister Vizekanzler Hubert Gorbach (B) zu Wort. Wie sein Sprecher Martin Standl sagte, sei der Test sei nicht repräsentativ, weil die Strecke willkürlich gewählt und keine Angaben zur Auswahl gemacht worden waren. "Zahlreiche Fragen blieben bei dem Test unbeantwortet", so Standl.

Fragen wie "Wurden die Straßen- und Asphaltverhältnisse, die Wetter- und Witterungsverhältnisse sowie die Verkehrsdichte getestet?" würde der Test nicht beantworten, so der Gorbach-Sprecher. Auch nicht, welche Fahrzeuge erfasst wurden. Wahrscheinlich seien alle Fahrzeuge erfasst worden, auch Lkw, Busse und dergleichen, für die Tempo 160 sowieso nicht gelten würden.

Das Ziel des Verkehrsministers sei eine flexible Geschwindigkeitsanpassung an die äußeren Verhältnisse in Verbindung mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen, so der Gorbach-Mitarbeiter. Wenn diese Voraussetzungen gegeben wären, würde auf gewissen Strecken in Österreich ein Tempo 160 möglich sein - "aber natürlich nur vorbehaltlich der Evaluationsergebnisse der Teststrecke, die Ende November bekannt gegeben werden soll", erklärte der Sprecher.

Tempo 160 würden grundsätzlich nur dann gefahren werden dürfen, wenn die Voraussetzungen - optimale dreispurige Strecke, geringe Verkehrsdichte, optimale Witterungsverhältnisse und nur in Verbindung mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen - gegeben wären. "160 km/h fahren muss sowieso niemand", so Standl.

(apa/red)

10.11.2005 11:46