Montag, 7. November 2005

"AMIS Financial Consulting" in Konkurs: Strafanzeige durch Finanzmarktaufsicht

  • Krisenhotline für Anleger eingerichtet

Das Handelsgericht Wien hat am Montag über das Vermögen des Wiener Wertpapierdienstleistungsunternehmens "AMIS Financial Consulting AG" (AFC) den Konkurs eröffnet. Als Masseverwalter wurde Rechtsanwalt Kurt Freyler eingesetzt. Damit wird gleichzeitig mit sofortiger Wirkung die Konzession zur Erbringung der Finanzdienstleistungen entzogen, teilte die Finanzmarktaufsicht (FMA) Montag mit.

Bereits vergangenen Mittwoch wurde über die Wiener Finanzfirma Asset Management Investment Services (AMIS) AG, Muttergesellschaft des Finanzdienstleisters AFC, am Handelsgericht Wien das Konkursverfahren eröffnet.

Auf Basis des Berichts, den die KPMG-Wirtschaftsprüfer im Auftrag der Aufsichtsbehörde erstellt haben, hat die FMA "wegen des begründeten Verdachtes auf strafrechtlich relevante Verstöße" der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung zur Anzeige gebracht, hieß es.

Rund 16.000 Kunden hat die nun in Konkurs gegangene AMIS Gruppe, davon 10.000 in Österreich und den Rest in Deutschland. Laut Medienberichten sind von 135 Mio. Euro anvertrauten Kundengeldern rund 70 Mio. Euro verschwunden. Die Insolvenz ist auch ein Fall für die Justiz: Die Finanzmarktaufsicht hat der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt, diese hat eine Voruntersuchung wegen Verdachts auf schweren Betrug und Untreue eingeleitet.

Rechtlich sei die Lage sehr komplex, erläuterte der Sprecher der Finanzmarktaufsicht (FMA), Klaus Grubelnik. Die AMIS-Gruppe habe zwei Dachfonds nach Luxemburger Recht eingerichtet. Depotbank dafür sei die Sella-Bank mit Sitz in Luxemburg. Bei der Depotbank soll die Firma TFA mit Sitz auf den Cayman Islands, die das Kundenregister geführt hat, als Depotinhaber fungiert haben.

Irgendwo dazwischen in diesem Geflecht seien mutmaßlich Gelder abgezweigt worden - ob zu Recht oder zu Unrecht müsse die Justiz beurteilen, so Grubelnik. Im Mittelpunkt stehen die AMIS-Gründer Dietmar Böhmer und Harald Loidl sowie AMIS-Vorstand Thomas Mitter. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Gegen Böhmer und Loidl wurden Haftbefehle erlassen. Mitter hat dem Haftbefehl Folge geleistet, er wurde in U-Haft genommen.

Für Kunden oder Vertriebspartner von AMIS hat die FMA eine eigene Info-Line eingerichtet, die unter folgenden Telefonnummern zu erreichen ist: aus Österreich unter 0800 - 24 99 00, aus dem Ausland unter ++43/1/217 88, von Montag bis Donnerstag von 09:00 - 17:00 Uhr und am Freitag von 09:00 bis 15:00 Uhr. Die FMA stellt auch auf ihrer Website www.fma.gv.at weitere Informationen zur Verfügung.

(apa)

7.11.2005 17:14