Montag, 7. November 2005

Nach Rücktritten in Führungsebene: HypoVereinsbank sucht weg aus der Krise

  • Rampl: "Kein Einfluss auf Fusion mit UniCredit"
  • Kein weiterer Stellenabbau in Deutschland geplant

Die HypoVereinsbank, Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), sucht einen raschen Ausweg aus ihrer Führungskrise. Die Rücktritte von Finanzmarkt-Vorstand Stefan Jentzsch und Privatkunden-Chefin Christine Licci hätten keine Auswirkungen auf die geplante Fusion mit der italienischen Großbank UniCredit, schrieb HVB-Chef Dieter Rampl am Montag an die Mitarbeiter.

"Ich akzeptiere diese persönlichen Entscheidungen. Verstehen kann ich sie jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht." Der neue HVB-Vorstand solle zur UniCredit-Verwaltungsratssitzung am 18. November stehen. Der Gesamtbetriebsrat kritisierte die Rücktritte und forderte eine rasche Lösung der Krise.

Jentzsch und Licci hatten Ende vergangener Woche im Zuge der Übernahme durch UniCredit ihren Rücktritt eingereicht. Andere Manager hätten die Aufgaben der beiden bereits kommissarisch übernommen, schrieb Rampl. "Der weitere Zeitplan bleibt von den Kündigungen unbeeinflusst." Laut Finanzkreisen sollen die Posten in der HVB-Führungsspitze nach den Rücktritten größtenteils aus den eigenen Reihen besetzt werden.

Wahrscheinlich reicht auch Firmenkunden-Vorstand Johann Berger noch seinen Rücktritt ein. In diesem Fall bliebe kein einziger HVB-Vorstand auf seinem Platz: Licci, Jentzsch und möglicherweise Berger gehen, Osteuropa-Vorstand Michael Mendel hatte bereits zuvor gekündigt, Vorstandssprecher Dieter Rampl wechselt an die Spitze des UniCredit-Verwaltungsrats, Finanzvorstand Wolfgang Sprißler tritt Rampls Nachfolge an und gibt das Finanzressort ab und Risikovorstand Michael Kemmer wechselt zu UniCredit nach Mailand.

Schwierig dürfte die Nachfolgeregelung im Fall Jentzsch sein, der auch im UniCredit-Vorstand das Ressort "Corporates & Markets" übernehmen sollte. Die HVB legt Wert darauf, dass der Posten im neuen UniCredit-Konzern auch nach der Rücktrittsankündigung Jentzschs mit einem Vorschlag aus München besetzt wird. Ein Nachfolger auf Konzernebene dürfte allerdings nicht leicht zu finden sein. Der Weggang des international anerkannten Finanzmarkt-Experten trifft HVB  und UniCredit hart. Jentzsch verhandelt derweil mit der Dresdner Bank über einen Wechsel nach Frankfurt. "Es laufen Gespräche", bestätigten Finanzkreise am Montag. Das Ergebnis sei aber noch offen.

Der Gesamtbetriebsrat kritisierte, Jentzsch und Licci hätten im Vorstand für die Übernahme durch UniCredit gestimmt. "Nun gehen sie, ohne transparent zu machen, warum. Wir hätten erwartet, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen." Bei der Suche nach den Nachfolgern müsse eine "die Mitarbeiter in Deutschland überzeugende und stabile Lösung" gefunden werden. Rampl betonte, dass entgegen Medienspekulationen kein zusätzlicher Stellenabbau in Deutschland geplant sei.

(apa)

7.11.2005 16:32