Hypo NÖ verklagt die Handball-Verbände: Verfahren gegen den ÖHB und den EHF
- Prokop fordert Abstellungsgebühr für Teamspieler
- Klubchef ist außerdem für Verlegung von WM und EM
Gunnar Prokop spielt im Handball-Lager wieder einmal den Vorreiter und sorgt damit für Bewegung. Der Klubchef des Frauen-Serien-Meisters Hypo NÖ lässt von seinen Rechtsanwälten Klagen gegen die Österreichischen (ÖHB) und Europäischen Verband (EHF) vorbereiten. Es geht um in den Statuten nicht vorgesehene Abstellungsgebühren für Teamspielerinnen. Die Klagen sollen bis spätestens vor der am 5. Dezember in St. Petersburg beginnenden WM eingebracht werden.
"Es kann nicht sein, dass ich als Verein den Profis die vollen Gehälter zahle, die Spielerinnen aber für eine andere Firma arbeiten", begründete Prokop am Mittwoch seinen Schritt. Es gehe um einen Betrag von 30.000 bis 40.000 Euro pro Monat. Die Südstädterinnen haben neun Internationale in ihren Reihen, inklusive WM- oder EM-Turnier fehlten Logwin und Co. Hypo sechs bis acht Wochen pro Saison.
Laut ÖHB- und EHF-Statuten müssen die Vereine ihre Teamspielerinnen in einem Spieljahr 30 Tage zur Verfügung stellen. "Wir wollen eine aliquote Refundierung der Gehälter", sagte Handball-"Unternehmer" Prokop, der mit Hypo einen Umsatz von knapp einer Millionen Euro macht. Dazu komme noch, dass die Klubs während Teamaktivitäten auch noch für die Versicherung der eigenen Spielerinnen zu sorgen haben.
Prokop steht mit seiner Forderung nicht alleine da, ganz im Gegenteil. "In Dänemark, einem der führenden Handball-Länder der Welt, hat eine Befragung ergeben, dass die Trainer meiner Meinung sind", betont Prokop, der seine Klage allen Europacup-Teilnehmern zukommen lassen wird und auf breite Solidarität hofft. Wegen der WM in Russland stellt z.B. Hypo die Internationalen ab 24. November frei.
Und nach dem WM-Turnier (bis 18. Dezember) bleibt den Klubs für die ordentliche Vorbereitung ihres kompletten Kaders auf die Gruppen-Phase der Champions League am 8. Jänner auch nicht mehr ausreichend Zeit. "Dass wir aber mit der Champions League auch ein bisschen Geld verdienen, bedenkt da niemand", ärgert sich Prokop. Deshalb fordert er auch die Verlegung von EM oder WM vom Dezember in den Sommer, nach dem Saisonende.
ÖHB und EHF reagieren unterschiedlich
"Ich bin höchst überrascht, dass Hypo eine Klage einbringt, weil man das nur macht, wenn man in Verhandlungen zu keinem Ergebnis kommt. Solche hat es aber nicht gegeben, Prokop hat das Thema gegenüber unserem Generalsekretär Martin Hausleitner nur einmal angedeutet", sagte ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer, der "immer gesprächsbereit" ist.
Eine etwaige Entschädigung könne nur auf aliquoter Basis erfolgen und nur gelten, was über die vereinbarten 30 Tage hinausgehe. "Nicht geltend gemacht werden kann, was nicht versteuert wird. Zur Bemessung würde nur die offizielle Gehaltszahlung herangezogen", meinte der Niederösterreicher. Was die Verlegung der WM und EM in den Sommer betrifft, sieht er Für und Wider.
"Die nationalen Meisterschaftsbetriebe könnten kontinuierlich abgewickelt werden. Doch andererseits hätte man in der warmen Jahreszeit zu wenig klimatisierte Hallen zur Verfügung", betonte Hofbauer. Für den Europa-Verband ist eine Verschiebung der zwei großen Turniere derzeit kein Thema. "Bis 2010 gibt es schon fixe Verträge", meinte dazu der stellvertretende EHF-Generalsekretär Alexander Toncourt auf APA-Anfrage.
Außerdem würde man Saison-Höhepunkte am Ende eines Spieljahres nicht verkaufen können, wären die Quoten nicht so hoch wie derzeit, das Zuschauer-Interesse nicht so vorhanden und die Aktiven auch schon müde. Die Männer-WM war bis 1999 (Ägypten) übrigens im Sommer ausgetragen worden. "Es wäre unrealistisch, die Zeitpunkte der Turniere zu ändern", sagte Toncourt zu den Prokop-Überlegungen.
Einer Klage würde die EHF laut dem Österreicher, der im Europaverband intern auch für Finanzen und Organisation zuständig ist, gelassen entgegensehen. "Wir werden uns erst dann damit beschäftigen, wenn sie eintrifft", sagte Toncourt. Der Ex-Handballer erklärte, dass es weder in den EHF-Satzungen noch in den Transferrichtlinien eine internationale Regelung gebe, die Zahlungen von nationalen Verbänden an Vereine für Teamabstellungen vorsieht.
(apa)
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