Mittwoch, 9. November 2005

Dritter Platz für Stohl bei Australien-Rallye: Rallye-Ass schaffte den Sprung aufs Podium

  • Zweitbestes Saisonergebnis für den Wiener
  • Duval gewinnt in "Down Under" vor Rovanperä

Das OMV-Duo Manfred Stohl/Ilka Minor hat die Ausfallsorgie beim Rallye-WM-Finale in Australien perfekt genutzt. Der Wiener Privatfahrer und die gebürtige Kärntnerin landeten in ihrem Citroen Xsara WRC nach 1.345 Gesamtkilometern mit 26 Sonderprüfungen (355,39 km) im Raum Perth auf Rang drei und verzeichneten damit ihr zweitbestes Ergebnis nach dem zweiten Platz Mitte Mai auf Zypern.

Der Sieg ging an Stohls Markenkollegen Francois Duval. Der 24-jährige Belgier schaffte damit seinen WM-Debüt-Sieg und verhalf Citroen zum elften Saisonerfolg im Jahr 2005, womit das französische Werksteam den bisherigen Rekord von Lancia (zehn WM-Siege 1988) auslöschte. Mit 52,9 Sekunden folgte der Finne Harri Rovanperä, der damit das beste Resultat seit dem WM-Comeback von Mitsubishi erreichte, auf Platz zwei. Gruppe-N-Ex-Weltmeister Stohl schaffte mit 1:33 Minuten Rückstand den zweiten Podestplatz in der Königsklasse.

Das Spitzentrio profitierte davon, dass sich in "down under" sämtliche Favoriten vorzeitig verabschieden mussten. Der schon lange als Weltmeister feststehende Franzose Sebastien Loeb im Citroen und der finnische Favorit Marcus Grönholm im Peugeot waren schon am Freitag auf der ersten Etappe nach Unfällen ausgefallen. Am Samstag hatte es dann Ex-Weltmeister Petter Solberg erwischt. Sein Subaru war nach einem Zusammenstoß mit einem Känguru am Kühler so schwer beschädigt worden, dass auch der Norweger w.o. geben musste.

Trotzdem wurde Solberg auf Grund seiner drei Saisonsiege vor dem zwei Mal in diesem Jahr erfolgreichen Grönholm, der am Ende ebenfalls bei 71 Punkten hielt, Vizeweltmeister. Am Sonntag erwischte es dann auch noch der auf Rang fünf liegenden WM-Vierten Toni Gardemeister (Ford) aus Finnland wegen eines gerissenen Keilriemens. Und durch den Ausfall des schottische Skoda-Gastfahrers Colin McRae, der auf Rang zwei liegend auf der drittletzten Prüfung von einem Kupplungsschaden gestoppt worden war, rückte der nach der Samstag-Etappe viertplatzierte Stohl noch auf den Podestrang vor.

"Platz drei zählt mehr als Rang zwei auf Zypern"
"Für mich zählt dieser dritte Platz mehr als der zweite Rang von Zypern. Dort sind wir taktisch gefahren. Hier mussten wir bis zum letzten Meter kämpfen", erklärte Stohl nach seinem dritten Platz, mit dem er endgültig zum besten Privatfahrer der WM-Saison 2005 avancierte.

Auch der Belgier Marc van Dalen, der Teamchef des Kronos-Racing-Teams, für das im kommenden Jahr Weltmeister Loeb Gas geben wird, war hochzufrieden mit dem Rallye-Jahr und den beiden Podestplätzen von Stohl: "Wir haben in diesem Jahr die Plätze zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und acht eingefahren. Das ist schon sensationell. Den Sieg holen wir im nächsten Jahr!"

Noch kein unterschriebener Vertrag für 2006
Trotz der guten Leistungen von Stohl gibt es für 2006 noch keinen unterschriebenen Vertrag. Derzeit liegen OMV, dem Hauptsponsor des 33-Jährigen, drei Angebote vor. "Wir haben bis 15. Dezember Zeit uns zu entscheiden. Es ist jetzt wichtig, dass wir ein Team finden, mit dem wir eine ähnlich gute Leistung bringen können. Wir haben uns zu Beginn des Jahres einen Top-10-Platz in der WM vorgestellt. Dieses Ziel ist mit Platz neun erreicht. Die beiden Stockerplätze waren die Zugabe, sind jedoch eine sehr hohe Vorgabe für das nächste Jahr", erklärte Brigitte Mühlwisch, zuständig für Sponsoring in der OMV.

Auch wenn die Rallye-Saison 2005 erst zu Ende ging, gibt es nur eine äußerst kurze Verschnaufpause für die Piloten, denn in nur 55 Tagen startet der erste WM-Lauf 2006 in Monte Carlo. Sollten die Verhandlungen gut verlaufen, so wird Stohl im Fürstentum an der Cote d'Azur seinen 95. WM-Lauf bestreiten. 2005 begann dort mit Platz sechs ein für viele unvorstellbarer Erfolgslauf des OMV-Piloten.

Endstand Australien-Rallye:
1. Francois Duval/Sven Smeets (BEL) Citroen Xsara WRC 3:19:55,0
2. Harri Rovanperä/Risto Pietiläinen (FIN) Mitsubishi Lancer WRC +52,9
3. Manfred Stohl/Ilka Minor (AUT) Citroen Xsara WRC +1:33,0
4. Chris Atkinson/Glenn MacNeall (AUS) Subaru Impreza WRC +1:39,0
5. Gianluigi Galli/Guido d'Amore (ITA) Mitsubishi Lancer WRC +3:04,4
6. Roman Kresta/Jan Tomanek (CZE) Ford Focus WRC +3:09,0

Ausgeschieden, u.a.: Sebastien Loeb (FRA) Citroen Xsara WRC, Marcus Grönholm (FIN) Peugeot 307, Petter Solberg (NOR) Subaru Impreza WRC, Colin McRae (GBR) Skoda Fabia WRC, Toni Gardemeister (FIN) Ford Focus WRC, Xavier Pons (ESP) Citroen Xsara WRC

WM-Endstände nach 16 Saisonläufen - Fahrerwertung:
1. Sebastian Loeb (FRA) Citroen Xsara WRC 127 Punkte
2. Petter Solberg (NOR) Subara Impreza WRC 71
3. Marcus Grönholm (FIN) Peugeot 307 WRC 71
4. Toni Gardemeister (FIN) Ford Focus WRC 58
5. Markko Märtin (EST) Peugeot 307 WRC 53
6. Francois Duval (BEL) Citroen Xsara WRC 47
7. Harri Rovanperä (FIN) Mitsubishi Lancer WRC 39
8. Roman Kresta (CZE) Ford Focus WRC 29
9. Manfred Stohl (AUT) Citroen Xsara WRC 22

Konstrukteurs-Wertung:
1. Citroen 188 Punkte
2. Peugeot 135
3. Ford 104
4. Subaru 97
5. Mitsubishi 76
6. Skoda 20

(apa/red)

9.11.2005 10:14