Überraschung im Prozess gegen Hoyzer: Skandal-Schiri muss über zwei Jahre in Haft
- Marks mit einem Jahr und 6 Monaten auf Bewährung
- Nächste Woche steht ein weiterer Schiri vor Gericht
Der deutsche Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer muss nun doch ins Gefängnis. Das Berliner Landgericht verurteilte Hoyzer am Donnerstag im Fußball-Betrugsprozess zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Sein früherer Kollege Dominik Marks erhielt ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Der mutmaßliche Drahtzieher Ante Sapina wurde zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Sein Brüder Milan und Filip erhielten Bewährungsstrafen: Milan ein Jahr und vier Monate, Filip ein Jahr.
Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den geständigen Hoyzer am Dienstag zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragt, Marks sollte dagegen zwei Jahre ohne Bewährung erhalten. Fortgesetzt wird der Betrugsprozess ab kommenden Dienstag mit einer Verhandlung gegen Ex-Profi Steffen Karl, der alle Manipulations-Vorwürfe abgestritten hat.
Hoyzer-Anwalt legte Berufung ein
Hoyzer wirkte nach der Urteilsverkündung geschockt, sein Anwalt Thomas Hermes kündigte umgehend Revision an. Die Anklage hatte nur zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Auch die Anwälte des mutmaßlichen Drahtziehers Ante Sapina wollen beim Bundesgerichtshof in Leipzig Revision einlegen. Damit dürfte es ein rechtskräftiges Urteil erst im kommenden Jahr geben.
"Wir sind vom Urteil sehr enttäuscht. Das Gericht hat nicht tat- und schuldangemessen geurteilt", sagte Hoyzers Verteidiger Hermes. Unter anderem sei das Geständnis nicht als mildernd gewertet worden. "Das gibt für Straftäter das Signal, nicht von Anfang geständig zu sein" sagte Hermes. Hoyzer und auch Sapina müssen vorerst aber nicht einsitzen. Sämtliche Haftbefehle sind aufgehoben, beide könnten ihre Strafen im offenen Vollzug verbüßen.
Richter übte Kritik an Wettanbieter
Die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer übte deutliche Kritik am staatlichen Wettanbieter Oddset. Nach dem DFB-Pokalspiel Paderborn - Hamburger SV seien der Verdacht und die Namen bekannt gewesen. "Es ist rätselhaft, wie Oddset nicht in der Lage ist, eine Strafanzeige an der richtigen Stelle anzubringen", sagte die Richterin. Stattdessen habe Ante Sapina nach einem Gespräch bei Oddset weiter wetten dürfen. "Man wollte das Huhn, das goldene Eier legte, nicht gleich schlachten."
Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, zeigte sich nach den ersten Urteilen im größten deutschen Fußball-Skandal seit 1971 erleichtert. "Wir sind froh, dass zehn Monate nach Bekanntwerden schon ein Strafurteil vorliegt, dass im Wesentlichen auf unseren Ermittlungen und denen der Staatsanwaltschaft beruht. Mit Blick auf die WM 2006 ist nichts Negatives zu erwarten", sagte Zwanziger. Der DFB will nach Abschluss des Verfahrens zivilrechtlich vorgehen.
Urteilsbegründung in den sechs Betrugs-Fällen
Robert Hoyzer ist von der 12. Großen Stafkammer des Berliner Landgerichts in sechs Fällen der Beihilfe zum Betrug schuldig gesprochen worden. "Er hat seine wichtigste Pflicht als Schiedsrichter, die Neutralität, ohne Not verletzt", sagte die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer in ihrer Urteilsbegründung. Zudem habe er Kollegen in die Manipulationen verstrickt.
"Es handelt sich nicht um jugendliche Verfehlungen, sondern um Straftaten von einigem Gewicht", urteilte die zuständige Richterin, die die umfassenden Geständnisse von Hoyzer und Ante Sapina als strafmildernd anrechnete und deren Unterbringung im Offenen Vollzug anregte. Vorerst bleiben beide bis zu einem Urteilsspruch des Bundesgerichtshofes in Leipzig, der möglicherweise erst in der zweiten Jahreshälfte 2006 gefällt wird, auf freiem Fuß.
(apa/red)
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