Attentat jährt sich zum 10. Mal: 200.000 Menschen bei Gedenken an Rabin in Tel Aviv
- Ehemalige US-Präsident Bill Clinton war Hauptredner
- Peres: "Der Frieden liegt in euren Händen"
Über 200.000 Israelis haben am Samstagabend in Tel Aviv des vor zehn Jahren ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin gedacht. Die Menge sang Friedenslieder, hielt Kerzen und schwenkte israelische Flaggen. Auf einem riesigen Bildschirm über dem Platz, auf dem Rabin am 4. November 1995 von einem radikalen jüdischen Siedler erschossen wurde, waren Aufnahmen des früheren Regierungschefs zu sehen. Hauptredner der Gedenkfeier war der ehemalige US-Präsident Bill Clinton.
"Ich habe Yitzhak sehr geliebt. Ich habe seine Wandlung vom Soldat zum Friedensstifter, vom Politiker zu Staatsmann sehr bewundert", sagte Clinton. "Wenn er heute hier wäre, er würde uns sagen: 'Wenn mein Tod ein sinnvolles Opfer gewesen sein soll, dann nehmt in Gottes Namen die Arbeit auf und bringt es (den Friedensprozess) zu einem Ende'." Der US-Präsident endete mit den Worten "Shalom Haver", hebräisch für "Lebwohl, Freund". Mit diesen Worten bat er Rabin schon bei dessen Beerdigung vor zehn Jahren um Vergebung.
Viele Teilnehmer der Gedenkveranstaltung waren selbst bei der Friedenskundgebung vor zehn Jahren, auf der Rabin ermordet wurde, anwesend. Er könne sich noch genau daran erinnern, wie er Rabin damals zugehört habe, sagte der 63-jährige Charles Abelsohn. "Das hier ist nicht nur eine Gedenkfeier für einen Mann, sondern auch für eine Richtung", sagte er. "Das wird dem Friedensprozess neuen Schwung bringen."
Vizeregierungschef Shimon Peres sagte in einer Rede: "Ich habe damals mit ihm hier gestanden. Ich konnte sehen, was er sah, euch wunderbare Menschen", die in Sprechchören "Lang lebe der Frieden, lang lebe Yitzhak" gerufen hätten. "Yitzhak war bis tief in seine Seele gerührt von dieser Liebe und Unterstützung", sagte Peres. Er rief die Menschen auf, sich politisch zu engagieren und "die Last des Friedens für den Staat Israel" zu tragen. "Der Frieden liegt in euren Händen."
Peres erhielt 1994 gemeinsam mit Rabin und dem damaligen PLO-Vorsitzenden Yasser Arafat den Friedensnobelpreis. Die drei hatten unter der Vermittlung Clintons im September 1993 die erste Autonomieregelung für die Palästinenser im Gazastreifen und Jericho vereinbart. Dies stieß jedoch auf den harten Widerstand jüdischer Siedler und war einer der Beweggründe für den Mörder Rabins.
Die Gedenkfeier auf dem Rabin-Platz - dem früheren Platz der Könige Israels - fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Sicherheitskräfte in Tel Aviv waren in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Nach Polizeiangaben lag zwar keine konkrete Drohung vor, doch wurden Angriffe von palästinensischen oder jüdischen Extremisten nicht ausgeschlossen. Die Zufahrtsstraßen wurden schon tagsüber abgesperrt. Rund 1.500 Polizisten wurden in der Umgebung abgestellt, um Sicherheitskontrollen bei den Teilnehmern der Gedenkfeier durchzuführen, wie Einsatzleiter Ilan Mor im israelischen Rundfunk erklärte.
Amir Peretz, der neue Vorsitzende von Rabins Arbeiterpartei, erklärte, Rabins Opfer sei nicht vergebens gewesen. "Oslo ist noch lebendig", sagte er unter Bezug auf das 1995 in der norwegischen Hauptstadt erzielte Friedensabkommen, das Rabin schließlich das Leben kostete.(apa/red)
