Freitag, 11. November 2005

"Verbrenne in der Hölle, Zarqawi!": Zehn- tausende Jordanier demonstrieren vs Terror

  • 57 Menschen starben bei Attentaten der Al-Kaida
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Nach den Anschlägen auf drei Luxushotels in Amman haben am Donnerstag Zehntausende Jordanier gegen den Terror und für König Abdullah II. demonstriert. Laut BBC riefen die Demonstranten in Amman: "Verbrenne in der Hölle, Abu Musab al- Zarqawi!" Zarqawis Al-Kaida-Organisation im Irak hatte sich zu den Selbstmordanschlägen bekannt, bei denen am Mittwochabend mindestens 56 Menschen getötet wurden.

Trauernde Jordanier entzündeten am Abend in Amman Kerzen im Gedenken an die Opfer. Die Regierung hatte den Donnerstag zum nationalen Trauertag erklärt. König Abdullah sagte in einer Fernsehansprache: "Wir werden sie (die Täter) jagen, sie aus ihren Löchern holen und sie vor Gericht stellen." Mit ernster Stimme fügte der König hinzu: "Wir werden uns nicht erpressen lassen und wir haben keine Angst." Abdullah, der enge Beziehungen zum Westen und zum Nachbarland Israel unterhält, ist ein wichtiger Verbündeter der USA.

Al-Kaida veröffentlicht zweite Erklärung
Angesichts der Proteste der jordanischen Bevölkerung hat die Terrororganisation Al-Kaida im Irak eine zweite Erklärung zu den Bombenanschlägen von Amman veröffentlicht. Al-Kaida wolle Muslimen einen Teil der Gründe erklären, "warum heilige Krieger diese Höhlen angriffen", hieß es in der Stellungnahme, die am Donnerstagabend im Internet erschien. Die Organisation habe erst zugeschlagen, als sie sicher gewesen sei, dass die Hotels Zentren des Kriegs gegen den Islam seien.

Die Hotels unterstützten die Präsenz "der Kreuzfahrer" im Irak und auf der arabischen Halbinsel und der Juden im Land Palästina, hieß es in der Erklärung. In ihnen seien Geheimdienstorgane der Amerikaner, Israelis und einiger westlicher Staaten "in unsichtbaren Schlachten im so genannten Kampf gegen den Terrorismus" tätig gewesen. Auch die NATO habe die drei Hotels genutzt. Für die Zukunft kündigte Al-Kaida im Irak Anschläge mit noch katastrophaleren Folgen an. Die Organisation werde nicht zögern, Orte anzugreifen, an denen sich westliche Ausländer und Israelis aufhielten. Die meisten der Toten bei den Anschlägen waren Araber.

Regisseur der "Halloween"-Filme umgekommen
Unter den Todesopfern war auch Moustapha Akkad, der in Syrien geborene Regisseur der "Halloween"-Filme. Der 74-Jährige erlag am Freitag seinen schweren Verletzungen, die er bei den Anschlägen erlitten hatte, wie ein Krankenhaus erklärte. Auch seine Tochter Rima Akkad Monla wurde getötet.

Jordanische Polizei nimmt 120 Verdächtige fest
Zwei Tage nach den Terroranschlägen hat die jordanische Polizei im ganzen Land mindestens 120 Verdächtige festgenommen, wie am Freitag aus Sicherheitskreisen verlautete. Bei den meisten handle es sich um Iraker und Jordanier. Welche Rolle sie bei den Anschlägen auf drei Luxushotels gespielt haben sollen, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Bei den Selbstmordattentätern in der jordanischen Hauptstadt handelt es sich laut Al-Kaida um drei Männer und einer Frau aus dem benachbarten Irak. "Eine Gruppe von Märtyrern hat die Planung und Umsetzung ausgeführt", hieß es am Freitag auf einer irakischen Internetseite, die regelmäßig von Al-Kaida genutzt wird. Die Gruppe habe aus drei Männern bestanden und einer Frau, die beschlossen habe, ihren Mann auf dem Weg des Märtyrertums zu begleiten.

Weltweite Verurteilung
Der Anschlag war am Donnerstag weltweit verurteilt worden, so vom Weltsicherheitsrat, von Papst Benedikt XVI. sowie zahlreichen Ländern. US-Präsident George W. Bush trug sich in der jordanischen Botschaft in Washington in ein Kondolenzbuch ein. Anschließend sprach er dem jordanischen Volk und den trauernden Familien erneut sein Beileid aus und verurteilte die Anschläge als abscheuliche Tat herzloser Mörder. Die Anschläge hätten erneut gezeigt: "Diese Terroristen müssen besiegt werden."

UN-Generalsekretär Kofi Annan, der einen für Donnerstag geplanten Besuch in Amman wegen der Anschläge verschoben hatte, will die Visite an diesem Freitag nachholen. Das berichtete die jordanische Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf Regierungsangaben.
(apa)

11.11.2005 08:33