Mittwoch, 9. November 2005

Jordaniens König nach Attentaten: "Werden diese Kriminellen verfolgen und kriegen"

  • 3 Bomben in internationalen Hotels - 57 Todesopfer!
    300 Verletzte - offenbar keine Österreicher darunter
    Internationale Gemeinschaft verurteilt die Attentate
  • KLICKEN: Die BILDER der Zerstörung in Amman

Jordaniens König Abdullah hat nach den Anschlägen auf Luxushotels in Amman angekündigt, die Drahtzieher der Gewalttaten ausfindig zu machen. "Wir werden diese Kriminellen und die, die dahinter stecken, verfolgen und wir werden sie kriegen, wo immer sie auch sind", sagte der Monarch am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache.

Abdullah hatte nach den Anschlägen vom Vorabend einen für nächste Woche geplanten Besuch in Israel abgesagt. Dort wollte er unter anderem an Gedenkfeiern zum zehnten Todestag des ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin teilnehmen.

Der UNO-Sicherheitsrat hat eine schnelle Überantwortung der Hintermänner der Bombenanschläge von Amman an die Gerichte gefordert und die Regierungen weltweit zur Zusammenarbeit mit den jordanischen Behörden aufgerufen. Bei drei offenbar koordinierten Anschlägen in Hotels in der Nacht auf Donnerstag in der jordanischen Hauptstadt Amman waren 56 Menschen getötet und knapp 100 weitere verletzt worden. Zu dem Anschlag haben sich Extremisten der Al-Kaida bekannt. In einer der Gruppe zugeschriebenen Erklärung im Internet hieß es, die drei Hotels würden von amerikanischen und israelischen Spionen genutzt.

Al-Kaida: "Weiteren Angriff unternommen"
Die Al-Kaida-Gruppe im Irak hat sich zu den Terroranschlägen auf drei westliche Luxushotels Hotels in Amman bekannt und mit weiteren Attentaten gedroht. Jordanien sei zu einer "militärische Rückzugsbasis für die Armeen der Kreuzfahrer" und der irakischen Regierung geworden, hieß es in einer am Donnerstag im Internet veröffentlichten Erklärung, die der Gruppe des jordanischen Extremistenführers Abu Mussab al-Zarqawi, zugeschrieben wurde. Bei den Selbstmordanschlägen am Mittwochabend wurden nach Behördenangaben 57 Menschen getötet. Mehr als 100 weitere wurden verletzt. Die jordanischen Behörden meldeten die Festnahme einer "Reihe Verdächtiger".

"Unsere tapferen Löwen haben einen weiteren Angriff in Amman unternommen", hieß es in der Erklärung, deren Echtheit zunächst nicht geklärt werden konnte. Die Hotels seien von König Abdullah II. in einen "Garten für die Feinde unserer Religion, die Juden und die Kreuzfahrer" verwandelt worden; sie seien "Orte widerlicher Freuden für die Verräter und die abtrünnigen (Moslems)" sowie ein Unterschlupf für die US-Geheimdienste gewesen. Weitere Attentate würden folgen, hieß es in der Erklärung. König Abdullah II., der einen Besuch in Kasachstan abbrach, verurteilte die "terroristischen Anschläge" und kündigte an, die Justiz werde die "Verbrecher" verfolgen.

Am Mittwochabend waren kurz hintereinander drei Sprengsätze in den Fünf-Sterne-Hotels Radisson SAS, Grand Hyatt und Days Inn in Amman explodiert. Unter anderem war eine Hochzeitsgesellschaft betroffen. Nach jüngsten offiziellen Angaben vom Donnerstag rissen drei mutmaßliche Selbstmordattentäter bei den Explosionen 56 Menschen mit in den Tod, mehr als 100 seien verletzt worden. Die Behörden gingen davon aus, dass die Zahl der Toten weiter steigen wird, da viele Schwerverletzte am Donnerstag noch in Lebensgefahr schwebten. Es waren die bisher schlimmsten Terroranschläge in der Geschichte des Königreichs.

Am Donnerstag wurden in Jordanien mehrere Verdächtige festgenommen. Zur Zahl der festgenommenen Verdächtigen und ihrer Identität gab es zunächst keine Angaben. Ein Sicherheitsvertreter sagte der jordanischen Nachrichtenagentur Petra, bei der Fahndung nach den Drahtziehern seien auch mehrere Autos beschlagnahmt worden. Aus jordanischen Sicherheitskreisen hieß es, der Mann, der sich im Hyatt in die Luft sprengte, habe mit irakischem Akzent gesprochen. Ein Sicherheitsagent des Hotels habe kurz vor der tödlichen Explosion mit dem Mann gesprochen, der ihm verdächtig vorgekommen sei. Eine Hotelkamera habe den Selbstmordattentäter aufgenommen.

Unter den 56 Toten waren nach Behördenangaben elf Ausländer, darunter der Leiter des palästinensischen Militärgeheimdienstes im Westjordanland, General Bashir Nafeh. Zudem seien fünf Iraker, drei Chinesen und jeweils ein Saudiaraber und ein Indonesier getötet worden. 30 Tote konnten zunächst nicht identifiziert werden. 102 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Awni Jervas verletzt. Vier verletzte Deutsche hätten nach einer medizinischen Behandlung wieder das Krankenhaus verlassen, teilte das Berliner Außenamt mit. Laut Wiener Außenministerium liegen keine Hinweise vor, dass Österreicher betroffen gewesen seien.

Die Taten wurden weltweit als "barbarisch" verurteilt. Die Nachbarstaaten Irak, Syrien, Ägypten, Israel und der palästinensische Regierungschef Ahmed Korei verurteilten sie in scharfer Form. US-Präsident George W. Bush bot Jordanien jede erdenkliche Unterstützung bei den Ermittlungen zur Aufklärung der "barbarischen Terrorakte gegen unschuldige Zivilisten" an. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana erklärte, die "Zerstörung, die terroristische Verrücktheit unter unschuldigen Menschen angerichtet" habe, sei durch nichts zu rechtfertigen. Papst Benedikt XVI. zeigte sich "tief betroffen". Er ermutige dennoch alle, die sich für dauerhaften Frieden und den Respekt der Menschenrechte einsetzen, mit ihrer Arbeit fortzufahren, erklärte Benedikt.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte einen geplanten Besuch in Jordanien ab und rief die Weltgemeinschaft zum Anti-Terror-Kampf auf. Der UN-Sicherheitsrat wollte am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Auch Ägypten, Syrien und die palästinensische Autonomiebehörde äußerten Abscheu über die Anschläge. Der irakische Präsident Jalal Talabani erklärte, der Anschlag zeige, "dass der Terrorismus nicht nur das irakische Volk betrifft, sondern dass er eine globale Bedrohung ist". Syrien drückte Beileid und Solidarität mit dem jordanischen Volk aus. Israels Ministerpräsident Ariel Sharon sagte, die Welt müsse vereint gegen den Terror vorgehen. Korei erklärte, Ziel der Anschläge sei die Destabilisierung der Region. Ein iranischer Sprecher betonte, die Anschläge stünden im Gegensatz zur Lehre des Islam.

König Abdullah II. brach eine Reise nach Kasachstan ab und kehrte noch am Donnerstag nach Amman zurück. Am Ort der Anschläge forderte er die Sicherheitskräfte seines Landes auf, "weitere Maßnahmen zum Schutz der Bürger und Gäste des Königreiches zu ergreifen, damit Jordanien ein Musterbeispiel für Sicherheit und Stabilität bleibt".

(apa)

9.11.2005 20:38