Dienstag, 8. November 2005

Erdbebenkatastrophe in Kaschmir: Zahl
der Todesopfer auf über 87.000 gestiegen

  • Entlegene Gegenden wurden erst jetzt erreicht
  • UNO ruft unterdessen zu weiteren Spenden auf

Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben in Pakistan ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Nach Schätzungen sind insgesamt mehr als 87.000 Menschen ums Leben gekommen. Mitarbeiter der Weltbank, der Asiatischen Entwicklungsbank und weiterer internationaler Gebereinrichtungen in der Katastrophenregion schätzten, dass bei dem Beben am 8. Oktober allein in Pakistan rund 86.000 Menschen in Pakistan gestorben seien, sagte ein Berater von Regierungschef Shaukat Aziz am Dienstag in Islamabad.

Es handle sich dabei aber nur um Schätzungen; genaue Zahlen würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben, erklärte der Berater weiter. Im indischen Teil Kaschmirs kostete das Beben vom 8. Oktober weitere 1.350 Menschen das Leben.

Den Schätzungen zufolge wurden bei dem Beben im Norden von Pakistan mehr als 7.000 Bildungseinrichtungen zerstört, sagte der Sprecher. Zudem seien knapp 4.000 Kilometer Straße zerstört worden. Die Erkundungsteams der genannten Gebereinrichtungen schätzten die Kosten für den Wiederaufbau auf drei bis vier Milliarden Dollar (2,54 bis 3,38 Mrd. Euro); Pakistan dagegen rechne mit Kosten von zehn bis zwölf Milliarden Dollar (8,46 bis 10,15 Mrd. Euro).

Regierungschef Aziz wollte sich am Mittwoch mit ranghohen Regierungsmitarbeitern treffen, um Angaben zu den Schäden und zum Wiederaufbau zusammenzutragen, wie aus pakistanischen Kreisen verlautete. Der Abschlussbericht solle bei einer internationalen Geberkonferenz in Islamabad am 19. November vorgestellt werden.

Neuerlicher Spendenaufruf
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) rief Regierungen und Privatleute auf, trotz knapper Kassen zum Jahresende für die Erdbebenopfer zu spenden. "Wir haben viele Menschen schon erreicht", sagte Bettina Lüscher von der deutschen WFP-Sektion im ZDF. Aber es gebe immer noch Dörfer und entlegene Gebiete, die ohne Hilfe seien. "Wir schätzen zehn Prozent, in manchen Gegenden dreißig Prozent der Dörfer sind noch gar nicht erreicht."

In der vergangenen Woche hatte die Regierung die Zahl der Toten in Pakistan stark nach oben korrigiert und von mehr als 73.000 Toten gesprochen. Fast 70.000 Menschen waren demnach schwer verletzt und rund 3,3 Millionen weitere Pakistaner obdachlos. Gleichzeitig hatte die Regierung darauf hingewiesen, dass die Helfer noch nicht in alle Katastrophengebiete vorgedrungen seien. Im indischen Teil von Kaschmir waren bei dem Erdbeben rund 1300 Menschen ums Leben gekommen.

(apa)

8.11.2005 08:58