Montag, 7. November 2005

Burma bekommt eine neue Hauptstadt: Militärjunta entscheidet sich für Pyinmana

  • Zentraler Ort als Sitz der Regierung ausgewählt

Die burmesische Militärjunta hat sich für eine neue Hauptstadt entschieden. Künftig solle die Stadt Pyinmana im Norden des Landes Regierungssitz sein, teilte Informationsminister General Kyaw Hsan am Montag in Rangun mit.

"Bisher war Rangun seit der Unabhängigkeit Sitz der Regierung", sagte er, "aber die Umstände haben sich geändert". Ein "zentralerer Ort" sei notwendig geworden. Die Militärjunta habe sich für Pyinmana entschieden, da es zentral liege und aus allen Teilen des Landes leicht zu erreichen sei.

Eine Verlegung des Regierungssitzes wird in dem isolierten südostasiatischen Land schon seit Jahren diskutiert, nachdem einige Junta-Mitglieder die Befürchtung geäußert hatten, dass die USA einen Angriff unternehmen könnten.

Dem burmesischen Regime werden schwere Menschenrechtsverstöße zur Last gelegt, insbesondere Zwangsarbeit, Folter, brutale Verfolgung von ethnischen Minderheiten, Missbrauch von Kindersoldaten und Unterdrückung der Demokratiebewegung, deren Symbolfigur Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, seit Jahren unter Hausarrest steht. Ihre "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) hatte die Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung im Jahr 1990 mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär die Machtübergabe verweigert.

Im August hatte die Junta Putschgerüchte zurückgewiesen, die aus thailändischen Geheimdienstquellen gekommen waren. In Bangkok hatte es geheißen, der 73-jährige Staatschef, Generalissimus Than Shwe, der seit 1992 an der Spitze der Junta "Staatsrat für Frieden und Entwicklung" (SPDC) steht, sei möglicherweise von seinem Stellvertreter General Maung Aye verdrängt worden. Der als Hardliner und Vertrauensmann Pekings geltende Maung Aye führt die pro- chinesische Junta-Fraktion an, die sich allen Liberalisierungstendenzen energisch widersetzt. Sie hatte bereits im Oktober 2004 Ministerpräsident General Khin Nyunt gestürzt, nachdem dieser einen "Demokratie-Fahrplan" angekündigt hatte.(apa/red)

7.11.2005 13:46