Kritik an Seledec: Zentraler Chefredakteur des ORF bei Kranzniederlegung für NS-Flieger
- "Totengedenken & keine politische Kundgebung"
- ORF-Redakteure halten ihre Kritik weiter aufrecht
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Chefredakteur ist für
den ORF "untragbar"
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ORF-Seledec anwesend - Kritik vom Redakteursrat
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Widmung wurde im Mai 2003 von GR aufgehoben
In der Kontroverse um den Zentralen Chefredakteur des ORF, Walter Seledec, nimmt nun dieser selbst erstmals Stellung. Seledec hatte an einer Kranzniederlegung am Grab des hoch dekorierten NS-Luftwaffenoffiziers Walter Nowotny teilgenommen. Dafür gab es heftige Kritik von ORF-Journalisten sowie Opposition. "Absicht seines Erscheinens war ein persönlicher Akt des Totengedenkens und keine politische Kundgebung", schreibt Seledec nun in einem Brief an die Redakteurssprecher des ORF.
Seledec habe in seiner 26-jährigen journalistischen Tätigkeit im ORF stets nach den Grundsätzen der Objektivität, Unparteilichkeit und Meinungsvielfalt gehandelt. Und: "Ich habe aus meiner politischen Einstellung nie ein Hehl gemacht, aber sehr genau zwischen Programmgestaltung und außerberuflicher Meinungsäußerung getrennt." Für sein Engagement in Sachen Kriegsgräberpflege seien ihm mehrere Auszeichnungen verliehen worden. "Ich kann es daher nicht verstehen, weshalb es öffentlich verpönt sein soll, sich für die Erhaltung des Grabs von Walter Nowotny einzusetzen."
Der Zentrale Chefredakteur bezeichnet Nowotny in dem Schreiben als "zweifellos mutigen, kameradschaftlichen und tüchtigen Soldaten". Seledec habe zum Grab auch ein "persönliches Verhältnis, weil mein Vater als junger Offizier unter dem Major Nowotny gedient hat und sein Leben vom Geschick des Kommandanten abhing". Schon als Kind habe er deshalb "an der Hand" seines Vaters "jährlich dieses Grab besucht". Seledecs Ehrung habe dem "ehrfürchtigen Umgang mit meiner Vätergeneration, mit der Kriegsgeneration" gegolten: "Sie galt dem Menschen und Soldaten Walter Nowotny und nicht dem Dritten Reich und seinem Regime".
Die Redakteurssprecher des ORF halten ihre Kritik indes aufrecht. Das Schreiben verdeutliche "ihre offenkundige Unfähigkeit zu erkennen, was mit dem Recht auf und der Pflicht zu (auch im ORF-Gesetz festgelegter) 'Unabhängigkeit von Staats- und Parteieneinfluss' der ORF-JournalistInnen vereinbar ist und was nicht", heißt es in einer schriftlichen Antwort an Seledec.
Zweifellos sei damit nicht vereinbar, als ORF-Journalist (noch dazu als leitender) in der Öffentlichkeit seine politischen Vorlieben zu demonstrieren. Für die "überwiegende Mehrheit" der Redakteure sei dies nicht hinnehmbar: "Die ORF-RedakteurssprecherInnen forderten deshalb einstimmig, dass Sie nicht mehr als ORF-Journalist auftreten können." (apa/red)
