Nur im Stummfilm sind Stürze lustig: 2004 gab's zahlreiche Rutsch-Unfälle auf Glatteis
- Autsch! 14.100 Personen landeten im Krankenhaus
- Stark gefährdet sind vor allem Frauen ab 60 Jahren

In der Stummfilmzeit galten die zahlreichen Stürze der Darsteller als das Nonplusultra der Komik. Weniger zum Lachen hatten jedoch jene 14.100 Personen, die im Vorjahr auf Glatteis, Schnee oder Matsch ausrutschten und deshalb im Krankenhaus landeten. Gefährdet sind vor allem Frauen ab 60, die laut Institut "Sicher Leben" ein Viertel aller Verletzten ausmachen. Ihre Knochen sind oft durch Osteoporose besonders brüchig.
Dabei scheint das schöne Geschlecht trotz höherer Absätze sicherer unterwegs zu sein: Männer der Altersgruppe von 15 bis 59 machen 30 Prozent der Verletzten aus, Frauen hingegen nur 21. Kinder und Jugendliche bis 14 bauen zusammen nur sieben Prozent der "Hoppalas", während Personen über 60, die lediglich einen Bevölkerungsanteil von 21 Prozent haben, 42 Prozent der Verletzten stellen.
Besonders gefährlich sind die Monate Jänner, Februar und Dezember, in denen 42 bzw. 24 und 21 Prozent der Unfälle passieren. Abgeschlagen die ebenfalls in der Statistik angeführten Monate (alle 2004, Anm.) November und März, in denen es zumeist nicht kalt genug für Eis und Schnee ist.
Wo gehen die meisten Betroffenen unsanft zu Boden? 61 Prozent erwischt es auf dem Gehsteig, am Zebrastreifen oder auf der Straße, 29 Prozent in der näheren Umgebung der Wohnung oder des Hauses, etwa in Hof und Garten. Der Rest entfällt auf sonstige Unfallorte.
Am öftesten müssen die Ärzte Knochenbrüche (44 Prozent) behandeln, wobei Hand, Fußgelenk sowie Unterarm die ersten drei Plätze einnehmen. 21 Prozent der Verletzungen betreffen Sehnen oder Muskeln (Knöchel, Knie, Handgelenk), während 19 Prozent mit einer Prellung davonkommen. Die oberen Extremitäten sind mit 42, die unteren mit 34 Prozent vertreten, der Kopf hat in acht Prozent der Stürze Bodenkontakt, Rippen, unterer Rücken und das Hinterteil machen den Rest aus.
So weit die nackten Zahlen - aber wie kann man derartige Unfälle verhindern? Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben", rät vor allem älteren und gebrechlichen Personen, bei extremem Glatteis lieber zu Hause zu bleiben. Vielleicht lässt sich ja der Einkauf bis zu einem Wetterumschwung aufschieben oder Nachbarn, Freunde oder Verwandte springen hilfreich ein.
Wer wirklich auf die Straße muss, sollte nicht hart auf den Fersen auftreten, sondern lieber leicht vornüber geneigt gehen, um einen unkontrollierten Sturz nach hinten zu vermeiden. Die Hände gehören nicht in die Taschen, notfalls können sie mithelfen, das Gleichgewicht besser halten zu können und einen Sturz abfangen.
Nicht nur Autofahrer, auch Passanten sollten ihre Geschwindigkeit an die Witterungsverhältnisse anpassen. Bei schlechter Bodenhaftung sind kurze Schritte und gemäßigtes Tempo angesagt. Wer mehr Zeit für seine Wege einplant, wird sein Ziel auch erreichen. Nicht Stöckelschuhe, sondern bequeme feste Schuhe oder Stiefel mit einer guten Profilsohle sorgen für sicheren Halt.
Gehwege, Gehsteige und Stiegenanlagen, die entlang eines Areals führen, müssen von Eis, Schnee befreit werden: Laut Gesetz sind Haus- bzw. Grundeigentümer für die ordnungsgemäße Säuberung verantwortlich. Geschieht das nicht, dann sind diese bei einem Unfall haftbar.(apa/red)
