Dienstag, 25. Oktober 2005

Über 60 Seuchen-Tote: Neuer Todesfall durch Vogelgrippe in Indonesien bestätigt

  • Die Grippe ist jetzt auch in Ostchina ausgebrochen
  • WHO fordert globales Frühwarnsystem vs. Pandemie

Durch die Vogelgrippe ist ein weiterer Todesfall zu beklagen. Ein 23-jähriger Mann aus Bogor, Indonesien, wurde bereits Ende September ins Krankenhaus gebracht und ist zwei Tage später verstorben, wie das Gesundheitsministeriums in Jakarta mitteilte. Ein Labor in Hongkong bestätigte nun die Diagnose Vogelgrippe. Unterdessen fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Frühwarnsystem, um bestmöglich auf eine Pandemie reagieren zu können.

Die Vogelgrippe mit dem tödlichen Erreger H5N1 brach 2003 in mehreren Teilen Asiens aus. Neben mehreren Millionen Vögeln starben auch mehr als 60 Menschen an der Krankheit. Die meisten von ihnen standen in engem Kontakt mit Geflügel. Der Todesfall in Indonesien ist der vierte in diesem Land. Wieder entlassen werden konnte hingegen ein vierjähriger Junge aus der Provinz Lampung auf Sumatra, bei dem der Erreger H5N1 festgestellt wurde.

Neuer Ausbruch in China - 45.000 Tiere getötet
Nach einem neuen Ausbruch der Vogelgrippe haben die chinesischen Behörden 45.000 Tiere getötet und Quarantäne verhängt, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Peking. In einem Umkreis von fünf Kilometer um die betroffene Geflügelfarm sei desinfiziert worden, sagte eine WHO-Sprecherin. 140.000 Tiere seien geimpft worden. Es war bereits der sechste Ausbruch der Vogelgrippe in China in diesem Jahr.

In der ostchinesischen Provinz Anhui in Tianshan sind laut WHO 2.100 Hühner und Gänse infiziert und 550 davon verendet. Das chinesische Landwirtschaftsministerium beschreibe das Virus in seinem Bericht bislang nur als H5, doch könne es sich als der gefährliche Typ H5N1 erweisen.

WHO ruft zur Solidarität auf
Mediziner befürchten, dass das tödliche Vogelgrippe-Virus H5N1 mutieren könnte, so dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. Für diesen Fall wird der Ausbruch einer weltumspannenden Grippe-Pandemie befürchtet. Die globale Versorgung mit Medikamenten für einen solchen Fall beschäftigte die Teilnehmer einer internationalen Konferenz in Kanada. Zum Auftakt der zweitägigen Beratungen in Ottawa rief der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Lee Jong Wook, zur Solidarität mit den Entwicklungsländern auf.

Die Delegierten, unter ihnen Gesundheitsminister aus 30 Staaten, diskutierten über einen Vorschlag Mexikos, dass die reichen Staaten zehn Prozent ihrer Lagerbestände an Tamiflu und anderen Grippe-Mitteln für Entwicklungsländer bereitstellen sollten. Im Fall einer Pandemie sei zu befürchten, dass viele Staaten die begrenzten Vorräte an Tamiflu für sich behalten wollten, sagte Lee.

Frühwarnsystem gefordert
Der Schlüssel zur Abwehr einer Grippe-Pandemie ist nach Einschätzung der WHO ein globales Frühwarnsystem. WHO-Direktor Jong Wook Lee appellierte an die internationale Gemeinschaft, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

In der kanadischen Hauptstadt hatten sich Gesundheitsminister von mehr als 30 Ländern zusammengefunden, um nach Möglichkeiten zum Schutz vor der Vogelgrippe suchen. Bei den Gesprächen geht es vorrangig um die Eindämmung der Krankheit in Asien sowie Vorkehrungen zur Vermeidung einer menschlichen Variante des Virus.

Tamiflu-Kopien in Planung
Einige Entwicklungsländer wie Indien ziehen hingegen in Erwägung, ein Nachahmerpräparat für Tamiflu zu entwickeln. Dabei berufen sie sich auf eine Entscheidung der Welthandelsorganisation WTO von 2003, dass es Regierungen erlaubt, sich im Fall einer nationalen Gesundheitskrise über Patentrechte von Pharma-Herstellern hinwegzusetzen.

"Wir sollten einen öffentlichen Gesundheitsnotstand frühzeitig ins Auge fassen und nicht erst reagieren, wenn dieser Fall eingetreten ist", sagte der indische Gesundheitsminister Prasanna Kumar Hota in Neu-Delhi. Der Schweizer Tamiflu-Hersteller Roche wandte sich gegen die Produktion eines Generikums. Dafür seien besondere Kenntnisse erforderlich, sagte Roche-Sprecherin Martina Rupp der Nachrichtenagentur AP.

Tote Zugvögel im Rheinland-Pfalz
Auf einem Weiher der Stadt Neuwied im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz wurden unterdessen 25 tote Zugvögel entdeckt. Die Todesursache der Graugänse und Stockenten sollte eine Untersuchung am Dienstag in Koblenz klären, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Vermutungen, dass die Tiere an der Vogelgrippe gestorben sein könnten, seien rein spekulativ.

Die toten Vögel wurden auf dem Wasser des Weihers im Stadtteil Heimbach-Weiß entdeckt und von der Feuerwehr geborgen. Einige Tiere seien vor den Augen der Einsatzkräfte unter starken Krämpfen gestorben, teilte die Polizei mit. Die Schwäne und Blesshühner des Weihers zeigten keine Krankheitsmerkmale.

Frankreich verbietet teilweise Freilandhaltung
Wegen der Vogelgrippe hat auch Frankreich die Freilandhaltung von Geflügel in weiten Teilen des Landes verboten. Wie Agrarminister Dominique Bussereau am Dienstag in Paris mitteilte, gilt eine Stallpflicht in zunächst 21 der 95 Departements des Landes. In diesen Verwaltungsbezirken sei das Risiko von Kontakten mit Zugvögeln besonders hoch, betonte Bussereau.

Betroffen sind Verwaltungsgebiete von der Atlantikküste im Westen und Norden bis zum Mittelmeer im Süden und dem Elsass im Osten. In ganz Frankreich werden zudem Geflügelmärkte und Vogelschauen verboten.

(apa/red)

25.10.2005 07:52
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