"Entschleuniger" kritisieren Zeitumstellung:
Plädoyer für entspannteren Lebensrhythmus
- Wissenschafter: 'Idee mit der Uhr eigentlich falsch'
·Guter Zeitpunkt für Test der FI-Schalter
Überprüfung sollte regelmäßig geschehen
·An der Sommerzeit wird weiter gedreht
USA verlängern Sommer-zeit um einen Monat
·"Entschleuniger" für anderen Rhythmus
Wissenschafter: "Idee mit
der Uhr eigentlich falsch"
"Die Seele und das Gemüt haben einen anderen Rhythmus als das, was elektronisch an Tempo möglich ist", erklärte Bernhard Pesendorfer vom "Verein zur Verzögerung der Zeit". Das österreichweite Netzwerk aus Wissenschaftern und Zeit-Interessierten mit Sitz in Klagenfurt tritt für einen menschlicheren, gesünderen Umgang mit der Zeit ein. Auch die Umstellung würde das Leben nicht entschleunigen.
Essen in der Straßenbahn sei etwa ein typisches Phänomen dafür, dass die Menschen nicht mehr auf ihren natürlichen Eigenrhythmus hören würden. "Alles muss immer schneller gehen und wird dabei immer hektischer", kritisierte Pesendorfer. Der Professor für Philosophie an der Universität Wien rät, Pausen einzulegen. "Und sei es um eine Zigarette zu rauchen." Hetzt man im Stress von einem Ziel zum nächsten, sollte man sich wenigstens fürs Ankommen ausgiebig Zeit nehmen. Bewusst langsam zu gehen, sei auch eine Möglichkeit, die Zeit zu verzögern. "Manchmal sage ich mir im Geiste ein Gedicht auf, um in einen ruhigeren Takt zu verfallen", erklärte der Spezialist für Konfliktmanagement.
"Zwei Mal im Jahr seinen Lebensrhythmus zu ändern, ist völlig widersinnig", meinte Pesendorfer zur Zeitumstellung. Vor allem für die Landwirtschaft sei der Sprung eine Katastrophe, da sich zum Beispiel Kühe beim Melken nicht an die neu vereinbarte Uhrzeit halten würden. Licht sei nichts mehr, woran man eine Uhrzeit festmachen könne. "Seit dem Aufkommen des Internets hat sich eine Weltzeit etabliert, die alles weiter ins Nachtleben verschoben hat."
Als reine Konstruktion sieht der Philosophieprofessor Gerhard Schwarz - ebenfalls vom "Verein zur Verzögerung der Zeit" - die Messung von Stunden, Minuten und Sekunden. "Wir arbeiten gegen den eigenen Körper auf Befehl einer Maschine", ergänzte er. Insofern sei die Idee mit der Uhr eigentlich falsch. "Zeit ist nicht objektiv - wir kennen das alle: Eine fade Schulstunde dauert scheinbar ewig, und ein tolles Rendezvous in der gleichen Länge verrinnt wie im Nu", so Schwarz weiter. In Zukunft werde Zeit immer mehr zum Luxusgut werden.
(apa)
