Mittwoch, 19. Oktober 2005

Autoschieberbande zerschlagen: Zahlreiche
heimische Firmen unter Hehlereiverdacht

  • Bande verkaufte Autos und Ersatzteile an die Händler

Nach monatelangen Ermittlungen hat das Bundeskriminalamt (BK) in Zusammenarbeit mit ungarischen Behörden eine international agierende Autoschieberbande ausgehoben. Sieben Täter, allesamt ungarische Staatsbürger zwischen 30 und 35 Jahren, sind in Österreich Haft. Drei weitere sind auf der Flucht, gegen sie liegen Haftbefehle vor. Der Bande konnten 81 Fahrzeugdiebstähle in der Alpenrepublik nachgewiesen werden. Das gab Herwig Haidinger, Direktor des BK, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt.

Weitere 150 Fahrzeug-Diebstähle werden mit der Bande in Verbindung gebracht. Diese sollen vor allem in Budapest, aber auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei und nicht genauer definierten europäischen Ländern stattgefunden haben. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Haidinger auf rund neun Millionen Euro. Von den Inhaftierten liegen bereits Geständnisse vor.

Im Mai 2005 waren im Bezirk Bruck an der Leitha (NÖ) zahlreiche gestohlene und weggeworfene Auto-Kennzeichen gefunden worden. Gleichzeitig hatten die Auto-Diebstähle, so Oberst Franz Polzer vom Landeskriminalamt Niederösterreich, stark zugenommen. Deshalb kam es zur Bildung jener Task Force mit BK, den LKA Niederösterreich, Steiermark und Burgenland, den Polizei-Inspektionen in Bruck an der Leitha und Nickelsdorf, die in Kooperation mit dem ungarischen Innenministerium jetzt "dieser wirkungsvolle Schlag gegen die organisierte Autoschieberei" (Haidinger) gelungen ist.

Die gestohlenen Autos wurden von der Tätergruppe in Ungarn in Einzelteile zerlegt und nach Österreich zumeist in Kastenwagen "re-importiert". Dort klapperten die Täter Einzelteil-Händler ab, wo sie ihre Ware zu Dumpingpreisen anboten. "Wenn ein ausgebauter Motor etwa 10.000 Euro wert war, wurde er um 1.000 angeboten und der Händler in Österreich verkaufte denselben wieder um 5.000." So sei ein enormer Preisdruck unter den Einzelteilverkäufern entstanden, sagte Erhart.

Bisher wurde laut BK in insgesamt vier heimischen Firmen in Niederösterreich, der Steiermark und im Burgenland Hehler-Ware entdeckt, weitere Betriebe werden derzeit unter die Lupe genommen. Die Ersatzteile waren zumeist übereinander wie Gerümpel - und völlig ohne System - gelagert. Motor- und andere Seriennummern waren herausgeschliffen. Die Profi-Verbrecher hatten es vorwiegend auf Fahrzeuge der Marken VW und Audi abgesehen. Wie viele Kunden der österreichischen Kfz-Händler bereits mit Pkw mit eingebauter Hehlerware herumfahren, sei nicht abschätzbar, sagte Erhart.

Laut Statistik der Europol wurden in Österreich 2004 insgesamt 5.973 Fahrzeuge gestohlen. Das sei im europäischen Vergleich ein sehr niedriger Wert, auch wenn die Diebstähle zuletzt um mehr als 40 Prozent zugenommen hätten, betonte Haidinger. In Italien gab es laut Europol im Vorjahr 221.925 Fälle, in Frankreich 186.430 und in Tschechien 24.230. Haidinger: "Durch das Ausheben dieser Zellen erwarte ich mir in Österreich einen deutlichen Rückgang." (apa)

19.10.2005 11:09


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