Donnerstag, 13. Oktober 2005

Empörung und Aufregung: Kinderverbot in einem Hotel am Wolfgangsee geplant!

  • Betreiber berichtet von "ersten positiven Reaktionen"
  • Familienreferent Hiesl findet die Sache "empörend"
    MITSTIMMEN: Hotel-Boykott oder auf zur Buchung?

Ein Bericht der "Salzburger Nachrichten" über ein geplantes Kinderverbot in einem Hotel am Wolfgangsee in Oberösterreich sorgt für Aufregung. Im Haus von Roland Ballner dürfen künftig keine Buben und Mädchen unter zwölf Jahren absteigen. Seine Gäste hätten ein Recht auf Ruhe und Entspannung, so der Hotelbetreiber. Oberösterreichs Familienreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl (V) zeigte sich am Donnerstag "empört", Kritik kommt auch von der österreichischen Hoteliervereinigung.

Er habe zweieinhalb Mio. Euro in sein Hotel in St. Wolfgang (Bezirk Gmunden) investiert und es sei nicht einzusehen, dass "Kinder mit Filzstiften auf weißen Ledercouchen malen", wird Ballner in den "Salzburger Nachrichten" zitiert. Er sei nicht nur überzeugt, dass er damit bei den Gästen gut ankommen werde, sondern auch, dass er bald Nachahmer finden werde, so der Hotelbetreiber in der "Kleinen Zeitung". Es gebe bereits positive Reaktionen - auch "von Frauen und Müttern".

Das Kinderverbot, das ab Mai 2006 gelten soll, will der Hotelier jedenfalls rigoros handhaben: Wer trotzdem mit seinem Nachwuchs anreise, werde das Zimmer "unter Garantie" nicht beziehen, betonte Ballner. Mit Hunden habe er aber kein Problem.

"Es kommt niemand als Erwachsener auf die Welt"
Heftige Kritik erntet der Hotelier vom oberösterreichischen Familienreferenten Hiesl. "Es ist empörend, dass man damit auch noch Werbung macht", sagte er im ORF-Radio Oberösterreich. Er halte derartige Maßnahmen für ein "schlechtes Signal" und wünsche Ballner, dass "die Kinder sich das merken" und als Erwachsene "niemals dort Urlaub machen".

Wenig begeistert reagierte auch der Präsident der österreichischen Hoteliervereinigung, Sepp Schellhorn, gegenüber der "Kronen Zeitung". Er habe "mit dieser Geschichte ein gesellschaftspolitisches Problem". "Schließlich kommt niemand als Erwachsener auf die Welt", so Schellhorn.

Haider-Einladung für "Verstoßene"
Das geplante Kinderverbot in einem Hotel am Wolfgangsee in Oberösterreich rief am Donnerstag auch Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (B) auf den Plan. Er lud als Reaktion alle "verstoßenen Kinder und Familien" ein, in seinem Bundesland Urlaub zu machen. Haiders "Zuckerl": 50 Prozent Urlaubsrabatt des Landeshauptmannes.

"Wir haben in Kärnten eigene Kinder- und Babyhotels und im Lieser- und Maltatal eine eigene Familienregion geschaffen", machte Haider in einer Aussendung auf das touristische Angebot in Kärnten aufmerksam. Seine Einladung gilt für all jene, "die am Wolfgangsee nicht mehr willkommen sind".

Haider merkte zudem an, dass eine solche in Oberösterreich gelebte "kinderfeindliche" Haltung auch "zukunftsfeindlich" sei, "denn die Kinder von heute sind die Großen der Welt von morgen, in deren Händen das Schicksal der Welt liegen wird."

FPOÖ-Klubobmann Steinkellner gegen Kinderverbot
FPOÖ-Klubobmann Günther Steinkellner hält nichts von einem geplanten Kinderverbot. Das sei familienfeindlich und schade dem heimischen Tourismus, erklärte er Donnerstagnachmittag in einer Presseaussendung.

Die oberösterreichischen Tourismusbetriebe sollten stattdessen spezielle Programme für Familien anbieten. "Schließlich sind die Kinder von heute unsere Gäste von morgen", betonte Steinkellner.
(apa)

13.10.2005 11:35