,Das Glück ist nichts als eine Lüge

Paulo Coelho im exklusiven Interview über den Sinn des Lebens, den Weinkonsum Jesu, George W. Bushs Versagen und die Relativität des Reichtums.
Es gibt Menschen, und keineswegs wenige, die bei ihm Lebenshilfe wie beim Guru suchen. Die könnten beim brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho, 58, falscher nicht sein. Titulierungen dieser Sorte zählen zu dem wenigen, was ihn ernstlich zornig machen kann. Was aber soll einer auch tun, wenn sich sogar eine dubiose Sekte seines Buchtitels Krieger des Lichts bemächtigt?
Ansonsten aber hat er nicht viel Anlass zum Hader mit der Welt und ihrem Schöpfer. Die 56 Millionen verkauften Bücher, auf die er zurückblicken kann, lassen ihn statistisch an zweite Stelle der lebenden Autoren hinter John Grisham rücken. In 150 Ländern schätzt man sein Werk, beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos ist der vormalige Hippie ständiger Referent. Als noch Bill Clinton und nicht der von Coelho per offenen Brief verachtete südstaatliche Grenzalphabet die Weltmacht USA pilotierte, suchte er Coelhos Rat (nur offenbar nicht in erotischen Belangen, denn der einschlägig bis zur Virtuosität Bewanderte hätte ihn sicher vor dem historischen Debakel bewahrt). Umberto Eco schätzt ihn, Madonna, der Fußballer Ronaldo und das Lesepublikum der 150 Nationen, in denen sein Werk verfügbar ist.
Der längere Atem. Coelho schreibt Literatur, keine Frage, mag sie auch stets den Selbstfindungs- und Lebenshilfeaspekt mit transportieren. Dem zunächst präpotenten Feuilleton hat es seit dem 30 Millionen Mal verkauften Erfolgstitel Der Alchimist die Häme längst verschlagen. Sein aktueller Roman Der Zahir (Diogenes, 22,60, wir haben in einer Sonderbeilage exklusiv vorabgedruckt), seit sieben Monaten auf unserer Bestsellerliste auffindbar, wurde von sehr reputierlichen Herrschaften zwischen FAZ und New York Times gelobt. Haupthandelnde Person ist Coelhos Alter Ego, ein berühmter Autor, dem eines Tages die Frau verschwindet. Beinahe hofft er, wiewohl von der Polizei sogar kurz des Mordes verdächtigt, auf einen Unfall oder ein Verbrechen: Denn dass die Abhandengekommene eine Lebensalternative suchen könnte, ist seinem Ego unerträglich.
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