Mittwoch, 12. Oktober 2005

Blüten aus dem Osten

  • „Falsche Fuffziger“ aus Bulgarien

Im Geheimlabor der Geldmafia. Mit Ivan Ivanovs Verhaftung sprengte die Polizei den größten Geldfälscherring. Wie Ivanov von Wien aus ganz Europa mit Euro-Blüten aus Bulgarien überschwemmte. Sein kriminelles Netzwerk bestand aus 200 bestens ausgebildeten Geldfälschern.

Sein Quartier war eine kleine Waldhütte bei Plovdiv, einer Stadt im Süden Bulgariens. Dorthin war „Geldfälscherkönig“ Ivan Ivanov nach seinem spektakulären Ausbruch aus dem Wiener Landesgericht im Frühjahr 2005 geflüchtet.

Mit mehreren Mitarbeitern hatte sich der Mafia-Boss damals in diese unauffällige Datscha zurückgezogen, um von dort aus abermals sein kriminelles Millionengeschäft aufzuziehen. Und freilich galt auch diesmal wieder dem „Wirtschaftsstandort Österreich“ sein Hauptinteresse. Dutzende „Kollegen“ wurden von ihm nach Wien entsandt, um von hier aus das „Blüten-Business“ anzukurbeln.

Aber Ivanov dürfte nicht mit der Hartnäckigkeit der heimischen Ermittler gerechnet haben. Monatelang hatten sie nach ihm gefahndet – und schließlich sein Geheimversteck und die Strukturen seines Netzwerkes ausgekundschaftet. Fazit: In einer konzertierten Aktion konnten österreichische und bulgarische Polizisten am 5. Oktober 2005 einen der größten Geldfälscherringe Europas zerschlagen.

„Massenverhaftungen“ im Millieu. Ivanov sowie sieben seiner wichtigsten Mitarbeiter (darunter auch sein Bruder Stepan) wurden in Bulgarien verhaftet, in Österreich klickten ebenfalls für sieben Komplizen die Handschellen. 117 Personen wurden angezeigt. Ihre Vorgeschichte liest sich wie ein Lehrstück der neuen Geldfälscher-Mafia: Ivan Ivanov fiel der heimischen Exekutive bereits 2004 bei Ermittlungen in der Falschgeldszene auf. Immer wieder war damals von einem so genannten „Russen“ die Rede, der die Fäden bei der Verteilung von „Blüten“ ziehen sollte. Im November 2004 konnte dann erstmals ein indirekter Kontakt zu dem geheimnisvollen Mann hergestellt werden: Verdeckt ermittelnden Beamten wurden durch einen mazedonischen Kontaktmann 200.000 Euro Falschgeld angeboten.

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12.10.2005 17:16