"Vom Schmäh können wir nicht leben": Ruttensteiner wünscht sich neuen Polster
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Willi Ruttensteiner hat seine Schuldigkeit getan, nach den zwei Spielen gegen England (0:1) und Nordirland (2:0) ist die Ära des Interimsteamchefs nach elf ereignisreichen Tagen wohl zu Ende gegangen. Im Rahmen seiner Rückkehr ins zweite ÖFB-Glied gab der 42-Jährige mit Blickrichtung EM 2008 einen flammenden Appell ab: "Vom Schmäh alleine können wir nicht leben. Wir müssen hart an uns arbeiten, jeder einzelne Tag muss genutzt werden. Selbstzufriedenheit ist in den kommenden zwei, drei Jahren das schlechteste überhaupt."
Nach dem "Abenteuer Teamchef" bilanzierte Ruttensteiner: "Wir haben in England würdig gespielt und gegen Nordirland bis zum Umfallen gekämpft und drei Punkte geholt." Der Oberösterreich gestand, dass beim Amtsantritt ein gesundes Maß an Nervosität dabei war: "Ich war etwas verunsichert, denn ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Aber in dieser Mannschaft gibt es wirklich tolle Typen und Persönlichkeiten. Einige Spieler haben mir nach der Verabschiedung in punkto Fachlichkeit Dinge gesagt, die mich wirklich sehr gefreut haben", so der Leiter der "Challenge 2008", der sich über die volle Akzeptanz der ÖFB-Kicker freuen durfte.
Ruttensteiner, der sich dank des Doppelpacks von Rene Aufhauser über seinen ersten Sieg als Teamchef freuen durfte, gab nach dem letzten Bewerbspiel vor der Heim-EM eine Bestandsaufnahme ab - der größte Problembereich liege in der Offensive, dass habe sich auch durch die Leistungen von Roland Linz und Roman Wallner bestätigt. "Das war zu wenig, damit können sie nicht zufrieden sein", meinte Ruttensteiner.
Österreich fehlt ein Goalgetter
"Im Tor haben wir mit Payer und Macho zwei tolle Leute. In der Defensive können wir mit Scharner, Pogatetz, Stranzl, Dober, Gercaliu oder Ibertsberger absolut bestehen. Im Mittelfeld könnte man eine so genannte 'Raute' mit Ivanschitz als Spielmacher probieren. Aber was uns fehlt, sind Stürmer, die Spiele entscheiden", so Ruttensteiner, der auch in den Nachwuchsteams mit Ausnahme des 17-jährigen Daniel Sikorski (Bayern München) keinen neuen Hans Krankl oder Toni Polster sieht.
Sein Vorschlag am Beispiel von Austria-Stürmer Linz: "Thomas Janeschitz ist der ÖFB-Individualtrainer bei der Austria. Mit ihm sollen wir anhand der Länderspiele gegen England und Nordirland analysieren, was gut uns schlecht war. Und dann muss punktuell gearbeitet werden."
Herzog möchte Individualtraining forcieren
Unterstützt wurde der ambitionierte ÖFB-Mitarbeiter (seit 1999, aktueller Vertrag bis 2009) von Teammanager und ÖFB-Rekordteamkicker Andreas Herzog, Assistent Slavko Kovacic und Tormann-Trainer Otto Konrad. Auch Herzog war von der Arbeit beim Team angetan: "Es hat irrsinnigen Spaß gemacht. Willi hat einen tollen Job gemacht." Herzog schlägt punkto Individualtraining in dieselbe Kerbe wie Ruttensteiner: "In den USA hatten wir drei Trainer: Einen Chef, einen für die Defensive und einen für die Offensive. Zum Beispiel ein Toni Polster kann den Jungs einfach andere Stürmerschmähs zeigen als ich, das ist doch klar."
Dass es ein weiteres Länderspiel unter dieser Führung gibt, ist aber gar noch nicht völlig ausgeschlossen. Am 12. November steht aller Voraussicht nach das Länderspiel in Innsbruck gegen Belgien auf dem Programm (die endgültige Zusage der Belgier steht noch aus). Die Frage ist, ob bis dahin alle Details mit dem vom ÖFB designierten Teamchef Josef Hickersberger geklärt sind.
Drittes Spiel unter Ruttensteiner?
Ruttensteiner schließt ein Spiel drei unter seiner Führung nicht aus: "Grundsätzlich bin ich natürlich bereit zu helfen. Warum sollte ich nicht für ein drittes Spiel bereit sein?" Herzog ergänzte: "In den nächsten ein, zwei Wochen wird es im ÖFB grundlegende Entscheidungen geben. Man wird sich zusammensetzen und sehen, was passiert." (apa/red)
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