Donnerstag, 13. Oktober 2005

'Der Schiedsrichter war ein Trottel': Herzog trotz Sieg gegen Nordirland mächtig sauer

  • Pogatetz zittert um seinen Einsatz bei der EURO 2008
  • PLUS: BILDER vom Spiel im Ernst-Happel-Stadion!

Emanuel Pogatetz war der große Verlierer des 2:0-Heimsieges der österreichischen Nationalmannschaft gegen Nordirland. Auf Grund seiner Roten Karte nach einer Tätlichkeit gegen Damien Johnson bangt der ÖFB-Verteidiger um die Heim-EM 2008, dem Middlesbrough-Legionär droht eine Sperre von zumindest einem Spiel. "Ich hoffe, dass die zuständigen Herren Fairplay zeigen. Meine Reaktion war deftig, aber angebracht. Ohne Schienbeindeckel wäre mein Fuß vollkommen kaputt", meinte Pogatetz nach der Brutalo-Attacke von Johnson.

"Dass man in so einer Situation Emotionen zeigt, ist doch verständlich. Wer jetzt nicht hinter mir steht und mir Vorwürfe macht, hat vom Fußball keine Ahnung", so der 22-Jährige, der Übeltäter Johnson am Trikotkragen gepackt hatte und daraufhin vom völlig überforderten Schiedsrichter Athanassios Briakos (GRE) ausgeschlossen wurde. "Mein Fuß ist grün und blau", stöhnte Pogatetz. der mit viel Glück einer schweren Verletzung im linken Fuß entging.

Nach der Roten Karte saß Pogatetz wie in Trance auf dem Rasen, jedoch weniger auf Grund der Schmerzen. "Ich stand unter Schock, denn ich habe sofort an die EM gedacht. Es ist schrecklich. Und Middlesbrough wird auch keine Freude haben, wenn ich so zurückkomme." Pogatetz hofft nun auf die FIFA. "Es kann doch nicht sein, dass ich eines oder gleich mehrere Spiele der Heim-EM verpasse und der Spieler, der mir fast den Fuß gebrochen hat, dann theoretisch wieder dabei sein darf. Das hat mit Fairplay nichts zu tun."

"Nordiren haben irgendeine andere Sportart ausgeübt"
Ähnlich wie Hans Krankl vor einem Jahr beim 3:3 in Belfast von Rugby gesprochen hatte, meinte auch Pogatetz. "Wir haben Fußball gespielt, aber die Nordiren haben irgendeine andere Sportart ausgeübt." Logischerweise wurde am Mittwochabend auch das brutale Pogatetz-Foul vom Juni 2005 im Trikot seines damaligen Arbeitgebers Spartak Moskau ins Spiel gebracht. Pogatetz: "Die Kritik nach diesem Foul war berechtigt, aber ich habe aus dieser Geschichte gelernt."

Direkt nach dem Ausschluss betreute den am Boden zerstörten Pogatetz Tormann-Coach Otto Konrad in der Kabine. Nach der Partie musste Pogatetz von einigen Kollegen vor einem wohl folgenschweren Besuch in der Kabine der Unparteiischen abgehalten werden. Diese zeigten übrigens nicht nur Pogatetz, sondern auch Teammanager Andreas Herzog und Zeugwart Helmut Legenstein bei der FIFA an. Auch die beiden hatten beim Massentumult an der Seitenlinie mitgemischt.

"Der Schiedsrichter war ein Trottel"
Herzog war angesichts der Szenen auf dem Feld fassungslos. "Der Schiedsrichter war ein Trottel, der auf dem Fußballplatz nichts verloren hat. Er kann ein Foul und eine Körperverletzung nicht unterschieden. Das war gemeingefährlich, es hätte vier oder fünf Schwerverletzte geben können", so der ÖFB-Rekordteamspieler, der gleichzeitig auch eine Lanze für die heimischen Referees brach. "Über unsere Schiedsrichter brauchen wir uns nie wieder aufregen, denn derartige Wappler rennen bei uns nicht herum."

Teamchef Willi Ruttensteiner hatte verständlicherweise ebenfalls Angst um die Gesundheit seiner Kicker. "Ich habe gewusst, dass es ein Kampf wird. Aber eine derartige Brutalität habe ich nicht erwartet, denn es ging ja 'nur' um Platz drei und vier."

"Das ist nicht der Sinn der Fußballs"
Markus Schopp, der vor einem Jahr in Belfast einen Mittelhandknochenbruch ausgefasst hatte, erlitt diesmal eine Handgelenksprellung und schäumte. "Ich habe versucht, dass ich ruhig bleibe. Aber die Nordiren haben das unmöglich gemacht. Sie wissen auf Grund ihrer Erfahrung, wann sie schmutzig spielen können. Aber auf das brauchen sie nicht stolz sein, so etwas braucht man nicht lernen, denn das ist nicht der Sinn der Fußballs." Kurioserweise wurde Schopp wie in Belfast die Verletzung von Colin Murdock zugefügt. Selbst Martin Stranzl, der keinen Zweikampf scheut, schüttelte den Kopf: "Das hatte mit internationaler Härte nichts mehr zu tun."

Nordirlands Teamcoach Lawrie Sanchez sah die Sache naturgemäß anders: "Das Tackling war ein wenig hart, aber nur auf Grund der Reaktion von Pogatetz wurden beide Spieler ausgeschlossen. Wäre er am Boden liegen geblieben, hätte es wohl nur Gelb für Johnson gegeben." (apa/red)

13.10.2005 13:56