Donnerstag, 13. Oktober 2005

Keine Gefahr für Österreicher durch Vogel- grippe: Einfuhrverbot für Geflügel fixiert

  • Expertengremium tagte im Gesundheitsministerium

Nach dem bestätigten Auftreten der H5N1-Vogelgrippe in der Türkei und einem vermuteten Fall in Rumänien treffen die europäischen Staaten weitere Maßnahmen zur Abwehr der Tierseuche. In Österreich trat am Donnerstag in Einklang mit der EU ein Einfuhrverbot für lebendes Geflügel, Geflügelprodukte, Jagdtrophäen und Ziervögel in Kraft. Doch für die österreichische Bevölkerung besteht keine Gefahr.

Auch Reisen in eventuell betroffene Länder sind grundsätzlich ungefährlich, betonte nach einer routinemäßigen Expertensitzung im Gesundheitsministerium der Leiter der österreichischen Veterinärverwaltung, Mag. Ulrich Herzog am späten Nachmittag gegenüber der APA.

"Für die Österreicher und die Österreicherinnen besteht keine Gefahr. Es handelt sich um eine Tierseuche. Es wird das Auftreten einer Tierseuche allerdings mit einer möglichen Pandemie durch ein neues humanes Influenza-Virus gemeinsam diskutiert. Das ist nicht gut", sagte Herzog.

Österreich hätte bereits im August mit einer Überarbeitung des Krisenplans gegen die Vogelgrippe, regelmäßigen Konsultationen der Veterinärbehörden, verstärkten Kontrollen durch die Amts- und Grenztierärzte sowie durch die Information der Geflügelhalter vorgesorgt. Herzog: "Außerdem wurde das Überwachungsprogramm für Hausgeflügel und Zugvögel am Bodensee, Neusiedlersee, Baumgartner Höhe und im Schlosspark von Schönbrunn intensiviert."

Zwar seien bisher noch keine Zugvögel aus Regionen der Erde nach Österreich gekommen, in denen die H5N1-Vogelgrippe grassiert, doch prinzipiell bestehe natürlich die Möglichkeit, dass dieses Virus auch nach Österreich kommt. In diesem Fall aber würden sofort die Maßnahmen nach dem bestehenden Krisenplan mit Sperrzonen, Überwachungszonen etc. aktiviert werden. Herzog: "In 14 Tagen wird es auch eine Einsatzübung der Veterinärbehörden mit der Übungsannahme eines Ausbruchs der Geflügelpest am Neusiedlersee geben." Historisch gesehen ist in Österreich das letzte Mal die Geflügelpest im Jahr 1946 aufgetreten.

Weil es sich eben um eine Tier- und keine Menschenseuche handelt, ist der Veterinärfachmann auch zurückhaltend was den etwaigen privaten Kauf des Influenzamedikaments "Tamiflu" angeht. "Ich habe mich nicht eingedeckt." Auf Grund der derzeitigen Ereignisse bestehe eben keine Gefahr. Derzeit würde aber intensiv an der Frage der Bevorratung des Medikaments durch Österreich für eine allfällige Influenza-Pandemie gearbeitet.

Österreich importiert kaum Geflügel aus Krisenländern
Österreich importierte in den vergangenen Jahren so gut wie kein Geflügelfleisch aus der Türkei und aus Rumänien, lebendes Geflügel wurde aus keinem der beiden Länder eingeführt, geht aus Unterlagen der Landwirtschaftskammer hervor. Billigimporte seien zuletzt vor allem aus Italien und Frankreich nach Österreich gekommen, was zu einer nicht zufrieden stellenden Ertragslage in der heimischen Geflügelwirtschaft führte.

Aus der Türkei wurde im 1. Halbjahr 2005 laut Zahlen der Statistik Austria Hühnerfleisch um 12.667 Euro eingeführt - das sind lediglich 0,02 Prozent der gesamten Geflügelfleisch-Importe im Wert von 58,1 Mio. Euro (2004: 110,4 Mio Euro). Die Geflügelfleisch-Importe aus Rumänien beliefen sich auf 72.000 Euro (0,12 Prozent aller Importe). Insgesamt betrugen die Lebend-Importe von Geflügel nach Österreich 6,3 Mio. Euro.

Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Diskussion über die Vogelgrippe in Europa und dem realen Anlassfall in der Türkei und einem vermuteten in Rumänien ist offenbar recht groß. "Betroffen waren zwei Kleinbetriebe. In Rumänien (Verdachtsfall auf H5N1, Anm.) handelte es sich um 53 Hühner und 47 Enten, wobei vor allem die Enten starben. In der Türkei (H5N1 bestätigt, Anm.) war es ein Betrieb mit 2.000 Puten, von denen fast alle starben", erklärte am Donnerstag Mag. Ulrich Herzog, Leiter der österreichischen Veterinärverwaltung.

Das wichtigste wäre jetzt Wachsamkeit. Allerdings, je mehr Wild- und Zuchtvögel untersucht werden, desto häufiger wird man auf jeden Fall auf Vogel-Influenza-Viren stoßen. Herzog: "Je genauer man hinschaut, desto mehr sieht man."
(apa)

13.10.2005 16:20