Dienstag, 11. Oktober 2005

"Ein wenig wie auf dem Basar": CSU-Chef Stoiber beschreibt Kanzler-Verhandlungen!

  • Schröder verzichtete schon bei 1. Gespräch auf Amt

CSU-Chef Edmund Stoiber hat jetzt einen Einblick gegeben, wie die Entscheidung über die Vergabe des Amts des deutschen Bundeskanzlers gelaufen ist. In den Spitzengesprächen zwischen ihm, CDU-Chefin Angela Merkel, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und SPD-Chef Franz Müntefering muss es nach der Schilderung Stoibers am Montagabend vor der bayerischen Landtagspresse ein bisschen wie auf einem orientalischen Basar zugegangen sein.

Sinngemäß habe die SPD-Seite so angefangen: "Wenn Sie Herrn Schröder als Kanzler akzeptieren, dann haben Sie drei Zugriffsrechte auf Ministerien". Das hätten Merkel und er abgelehnt. "Dann kam man zum umgekehrten Fall: Wir akzeptieren Frau Merkel, aber dann wollen wir das Zugriffsrecht auf zwei Ministerien."

Bei dem Zugriffsrecht ging es laut Stoiber um die Schlüsselressorts wie Außenamt, Finanzen und Wirtschaft. Dem bayerischen Ministerpräsidenten zufolge gingen die Verhandlungen in dieser Art noch eine ganze Zeit so weiter. Dabei sei es aber im Kern nur um die Zuständigkeit für die Ministerien und nicht um die Kanzlerfrage gegangen. Ihm sei bereits während des ersten Spitzengesprächs am Donnerstagabend klar geworden, dass Schröder nicht an seinem Amt festhalten wolle, sagte Stoiber. Dieser habe während der Verhandlungen immer wieder ironische Bemerkungen gemacht und damit kokettiert, bestimmte Papiere nicht lesen zu müssen, weil er eh bald nicht mehr zuständig sei.

Die klare Aussage "Wir verzichten auf das Amt des Bundeskanzlers" hätten aber weder Schröder noch Müntefering gemacht. Irgendwann in ihrem Verlauf seien die Verhandlungen nach den Andeutungen der SPD-Seite dann ganz selbstverständlich unter der Voraussetzung gelaufen, dass Merkel Kanzlerin wird. (apa)

11.10.2005 12:02