Wahrlich exklusiver Club: Weltweit sind derzeit nur fünf Regierungschefinnen im Amt
- Neuseeland, Bangladesch, Mosambik, Sao Tomé und Príncipe und Philippinen
Angela Merkel tritt mit ihrer Wahl zur ersten Kanzlerin in der Geschichte Deutschlands als sechstes Mitglied in einen äußerst erlesenen Klub ein: Von den knapp 200 Staaten haben derzeit nur fünf eine Regierungschefin, davon ist eine zugleich auch Staatspräsidentin. Es sind dies Neuseeland, Bangladesch, Mosambik, Sao Tomé und Príncipe sowie die Philippinen.
HELEN CLARK regiert seit 1999 in Wellington, und hat nach dem knappen Sieg ihrer Labour Party bei den Parlamentswahlen am 17. September gute Chancen, dies weiter zu tun. Die 55-Jährige hat bisher eine Vier-Parteien-Koalition angeführt.
In Bangladesch führt seit Oktober 2001 BEGUM KHALEDA ZIA die Regierung des Landes - nicht zum ersten Mal: Die 60-jährige Witwe nach Präsident General Ziaur Rahman war bereits von 1991 bis 1996 Regierungschefin. Aus dem Amt verdrängt wurde sie damals von einer anderen Frau, Hasina Wajed (1996-2001), Tochter des Staatsgründers Scheich Mujibur Rahman - die nun ihrerseits wieder als Oppositionsführerin agiert, nachdem sie bei den letzten Parlamentswahl 2001 eine vernichtende Niederlage erlitten hatte und von Zias nationalkonservativer BNP mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgelöst wurde.
LUISA DIAS DIOGO war Finanzministerin von Mosambik, als Ministerpräsident Pascoal Mocumbi im Februar 2005 zum Leiter Weltgesundheitsorganisation WHO bestellt wurde. Die 47-jährige Politikerin der früheren Befreiungsbewegung und späteren sozialistischen Regierungspartei Frelimo folgte ihm nach und wurde die erste Regierungschefin ihres Landes.
Der Inselstaat Sao Tomé und Príncipe liegt im Golf von Guinea, etwa 200 km vor der Küste Afrikas westlich vor Äquatorialguinea und Gabun. Seit Anfang Juni 2005 führt die frühere Nationalbank-Gouverneurin MARIA DO CARMO TROVOADA SILVEIRA die Regierungsgeschäfte des seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1975 chronisch instabilen Staates, der seine Zukunft auf jüngst gefundene Ölvorkommen vor seiner Küste baut.
Als Präsidentin und Regierungschefin der Philippinen amtiert seit Jänner 2001 GLORIA MACAPAGAL ARROYO. Zuvor war die Tochter des früheren Präsidenten Diosdado Macapagal bereits 1998 bis 2001 Vizepräsidentin gewesen. Ende Juli 2003 überstand Arroyo einen Putschversuch. Im Mai 2004 wurde die 58-Jährige wiedergewählt.
Bis vor einem Monat verstärkte in der Ukraine noch JULIA TIMOSCHENKO diese Riege starker Frauen. Die Blondine mit dem folkloristisch geflochtenen Haarkranz war gemeinsam mit Präsident Viktor Juschtschenko Protagonistin der "Orangen Revolution" gewesen, die Ende 2004 das Regime von Präsident Leonid Kutschma entthronte. Seit Februar 2005 regierte sie in Kiew, bis sie Anfang September von Juschtschenko in den Wirren einer Korruptionsaffäre entlassen wurde.
Im Buch der Geschichte sind einige prominente Regierungschefinnen verzeichnet: Margaret Thatcher (Großbritannien 1979-90), Gro Harlem Brundtland (Norwegen 1981, 1986-89, 1990-96), Hanna Suchocka (Polen 1992-93), Tansu Ciller (Türkei 1993-96), Edith Cresson (Frankreich 1991-92), Golda Meir (Israel 1969-74), Indira Gandhi (Indien 1966-1977 und 1980-84). Erste weibliche Regierungschefin der Welt war Sirimavo Bandaranaike (Sri Lanka 1960-64, 1970-77, 1994-2000). Die bei ihrem Amtsantritt jüngste Regierungschefin war mit 35 Jahren Benazir Bhutto (Pakistan 1988-90 und 1993-96). Als Präsidentinnen zugleich Regierungschefinnen waren Isabel Peron (Argentinien 1974-76), Corazon Aquino (Philippinen 1986-92), Violeta Chamorro (Nicaragua 1990-96) sowie Lidia Gueiler Tejada (Bolivien 1979-80).
Weibliche Staatsoberhäupter mit weitgehend symbolischen Machtbefugnissen haben derzeit - abgesehen von den Monarchinnen Elizabeth II. (Großbritannien und 15 weitere Commonwealth-Staaten), Margarethe II. (Dänemark) und Beatrix I. (Niederlande) - in Europa Finnland (Tarja Halonen), Irland (Mary McAleese), Lettland (Vaira Vike-Freiberga) und San Marino (Simona Morganti). In Irland war McAleese Mary Robinson nachgefolgt, die von 1990-97 erste Staatspräsidentin des Landes war. Island hatte von 1980 bis 1996 mit Vigdis Finnbogadottir eine Frau als Präsidentin. Agatha Barbara war von 1982 bis 1987 Präsidentin Maltas. (apa)
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