Donnerstag, 13. Oktober 2005

Geiseldrama in Südrussland blutig zu Ende gegangen: Tschetschenische Rebellen tot

  • Sicherheitskräfte stürmten Gebäude. Geiseln befreit
  • Über 80 Tote bei Angriff auf Naltschik - PLUS: Bilder

Einen Tag nach dem Überfall tschetschenischer Rebellen auf eine Stadt in Süd-Russland haben Sicherheitskräfte die Situation wieder unter Kontrolle gebracht. Bei den Straßenkämpfen und Schusswechseln in Naltschik kamen 72 der mindestens 100 Angreifer ums Leben, wie es in einem am Freitag vorgelegten Bericht von Innenminister Raschid Nurgalijew hieß. Zudem seien zwölf Bewohner und 24 Polizisten getötet worden.

Präsident Wladimir Putin lobte nach Erhalt des Berichts das entschlossene Handeln seiner Sicherheitskräfte und warnte, seine Regierung werde auch künftig konsequent gegen alle Extremisten und Banditen vorgehen.

Bis zum Freitagnachmittag hatten einige der Kämpfer noch Widerstand in der Hauptstadt der Kaukasus-Republik Kabardino-Balkarien geleistet, die an der Grenze zu der Unruhe- Provinz Tschetschenien liegt. Sie verschanzten sich in einem Gebäude der Gefängnisverwaltung im Zentrum und nahmen auch Geiseln. Die Polizei stürmte das Gebäude und tötete dabei nach Regierungsangaben alle zehn Rebellen. Die neun Geiseln seien dagegen wohlauf, sagte der Vize-Innenminister Andrei Nowikow. Die Agentur ITAR-TASS meldete allerdings, fünf Angestellte seien ums Leben gekommen.

Auf die Frage, ob es noch Widerstand in Naltschik gebe, sagte Nowikow kurz und knapp: "Nein". Die Sicherheitskräfte verstärkten der Polizei zufolge inzwischen ihre Suche nach flüchtigen Aufständischen in der umliegenden Bergregion. Insgesamt seien 31 Kämpfer festgenommen worden. Am Morgen hatte die Polizei Geiselnahmen in einer Polizeistation und einem Geschäft beendet. Die Rebellen hatten Donnerstag Früh in einer koordinierten Aktion acht Polizei- und Armeegebäude in Naltschik gestürmt und sich Straßenkämpfe mit der Polizei geliefert. Sie kämpfen seit einem Jahrzehnt für ein unabhängiges Tschetschenien.

"Wir müssen auf die Bedrohungen, die diese Banditen für unser Land darstellen, angemessen reagieren", sagte Putin. "Wir werden auch künftig genauso entschlossen und konsequent handeln wie dieses Mal." Er hatte sich schon am Vortag eingeschaltet und den Sicherheitskräften befohlen, die Kämpfer "auszulöschen". Mit dem zügigen Eingreifen reagierte Putin auf Kritik an ihm nach dem Geiseldrama von Beslan im vergangenen Jahr. Damals starben mehr als 330 Menschen, nachdem tschetschenische Rebellen eine Schule überfallen und besetzt hatten. Russland wurde für das späte Eingreifen heftig kritisiert.

Es bleibt abzuwarten, ob sich auch nach dem Einsatz in Naltschik kritische Stimmen zu Wort melden - etwa mit der Frage, warum die Sicherheitskräfte dem Überfall nicht vorbeugen konnten. Kabardino-Balkarien ist wie Tschetschenien moslemisch geprägt. Der Rebellen-Anführer Abdul-Khalid Sadulajew setzte mit den jüngsten Angriffen zudem seine Drohung um, den Kampf gegen Russland auf alle Kaukasus-Republiken auszuweiten.
(apa)

13.10.2005 08:10