Wieder Selbstmord-Anschlag im Irak: Mindestens 30 Todesopfer, 35 Verletzte
- Attentat richtete sich gegen Armee-Rekrutierungsbüro
- Iraks Arm der Terrorgruppe Al Kaida bekennt sich
Nur wenige Tage vor dem Verfassungsreferendum im Irak hat ein Selbstmord-Attentäter am Mittwoch mindestens 30 Menschen mit in den Tod gerissen. Bei dem Anschlag in der Stadt Tal Afar im Norden des Landes wurden zahlreiche weitere Menschen verletzt, wie Bürgermeister Abdulla Najim mitteilte. Zu der Bluttat bekannte sich der irakische Arm des Terrornetzwerks Al Kaida.
Auf einer Islamistenwebsite drohte die Gruppe zugleich mit weiteren Gewalttaten. Der mit einer Sprengstoffweste ausgestatte Attentäter hatte sich vor einem Rekrutierungsbüro der irakischen Armee unter die dort Wartenden gemischt und anschließend in die Luft gesprengt.
Bereits am Vortag waren bei einem Autobombenanschlag in Tal Afar ebenfalls mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Das US-Militär war erst im vergangenen Monat in der Stadt massiv gegen mutmaßliche Aufständische vorgegangen.
In Bagdad wurde am Mittwoch außerdem der irakische Minister für Provinzangelegenheiten, Saad al-Hardan, Ziel eines Anschlags. Nach Polizeiangaben blieb der Politiker jedoch unverletzt, als sich ein Selbstmord-Attentäter mit seinem Wagen neben dem Ministerkonvoi in die Luft sprengte. Zehn Iraker, darunter vier Leibwächter des Ministers, wurden verletzt.
Die Führung des Terrornetzwerks Al Kaida soll dem jordanischen Terrordrahtzieher Abu Mussab al-Zarqawi im Irak geraten haben, keine schiitischen Zivilisten mehr zu töten. In einem angeblich vom Al-Kaida-Vize Ayman al-Zawahiri verfassten Brief an den Anführer der Al Kaida im Zweistromland, den die US-Regierung am Mittwoch veröffentlichte, heißt es: "Viele Deiner muslimischen Bewunderer unter den einfachen Leuten fragen sich, was Eure Angriffe auf die Schiiten sollen."
Al-Zawahiri behauptet weiter, die irakischen Schiiten seien zwar Verräter, die sich mit den Amerikanern verbündet hätten, dennoch schadeten Angriffe auf schiitische Moscheen und Zivilisten dem Ziel der "Gotteskrieger", einen islamischen Staat im Irak zu gründen. Ob der Brief, der im Sommer verfasst worden sein soll, authentisch ist, blieb unklar.
Das irakische Übergangsparlament nahm am Mittwochabend unterdessen einige letzte Änderungen am Text der neuen föderalistischen Verfassung zur Kenntnis, berichtete das irakische Fernsehen. Damit sollte die sunnitische Volksgruppe zur Zustimmung bewegt werden. Auf die Modifikationen hatten sich am Abend zuvor Vertreter der schiitischen, der kurdischen und einiger sunnitischer Parteien geeinigt. Sie sehen vor, dass die Verfassung, die den Sunniten in der Zuerkennung von Autonomierechten für Regionen und Provinzen zu weit geht, vom nächsten Parlament geändert werden kann. Dieses soll am 15. Dezember dieses Jahres gewählt werden. Bei den Sunniten blieb der vorliegende Verfassungsentwurf weiter umstritten. Eine große sunnitische Partei hatte sich am späten Dienstagabend überraschend bereit erklärt, die Verfassung mitzutragen.
Präsident Jalal Talabani verkündete: "Ich habe eine gute Nachricht für das irakische Volk an diesem historischen Tag. Es ist eine Einigung über Veränderungen des Verfassungsentwurfs erzielt worden", sagte Talabani in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.
(apa/red)
