3. Tag im Prozess um Granaten- Explosion: Gutachter geht von einer "Sprengfalle" aus
- Unfall-Variante zu hohem Maße ausgeschlossen
- Der mutmaßliche Mörder reagierte im Saal erhitzt
·1. Verhandlungstag zu Granatenexplosion
Prozess: Angeklagter
sieht sich "nicht schuldig"
·NEWS: Waffenlager im Wienerwald!
Die BILDER: Diese Waffen wurden gefunden!
·Die Sprengfalle - der Prozess des Jahres!
NEWS hat die Wahrheit über den "Waffen-Krimi"
·Sturmgewehre, MPs und Schwerter
Eine Chronologie der Waffenlager in Österreich
·Granatenexplosion:
Mordanklage ist fix!
Höhenstraße: Gutachten schließt einen Unfall aus
·Werner N. im NEWS-Exklusiv-Interview
Verdächtiger im Hand- granaten-Fall spricht
·Höhenstraße: Neue Vorwürfe der Polizei
NEWS: Verdächtiger mit
Spreng-Tipps aus WWW
Schwere Kaliber fuhr der Sprengsachverständige Anton Eder am dritten Verhandlungstag um die Granatenexplosion auf der Wiener Höhenstraße gegen den Angeklagten auf: Er schloss am Donnerstag im Straflandesgericht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus, dass die Sekretärin des 39-jährigen Unternehmers einem Unfall zum Opfer fiel. Auch eine "Selbstauslösung" hielt der Sachverständige für unwahrscheinlich. Er ging von einer "Sprengfalle" aus.
Die zu bauen, hätte nach Stand der Akten einzig der Angeklagte Gelegenheit gehabt - außer ihm und der 39 Jahre alten Petra M. war niemand dabei, als auf einem Parkplatz Granaten, Gewehre, Pistolen und Munition aus ihrem Pkw ausgeladen werden sollten, um sie angeblich der Polizei zu übergeben. Der Mann entfernte sich dann allerdings, weil er angeblich ein Geräusch hörte. Dann rief er seine Sekretärin am Handy an und forderte sie auf, mit dem Ausladen zu beginnen. Wenig später krachte es.
Der Sprengsachverständige legte seine Expertise in Form einer Powerpoint-Präsentation dar und reicherte diese mit einigen Aussage kräftigen Videos an. Unter anderem war eine Testreihe gefilmt worden, bei der Eder und sein zehnköpfiges Expertenteam mittels eines Dummys und genau jenem Pkw-Modell, in dem zunächst die ungesicherte Granate explodiert war, worauf eine zweite, daneben befindliche ebenfalls losging, den Ablauf rekonstruiert hatten.
Angeklagter nervös: "Da wird eine falsche Spur gelegt"
Speziell bei der Videovorführung wurde der Angeklagte unruhig. "Da wird eine falsche Spur gelegt!", rief er erhitzt. "Es geht um mein Leben!", versuchte er dem Gutachter mit Hingabe und Akribie Ungereimtheiten nachzuweisen.
Diesem zufolge war die erste Granate, bei der der Sicherungssplint fehlte, nicht in dem dafür vorgesehenen Transportbehältnis explodiert. Dass Petra M. die Granate beim Ausladen aus dem Kofferraum aus diesem Behälter herausnahm, hielt der Sachverständige für unwahrscheinlich: Die Frau hatte von Kriegsmaterial keine Ahnung und hätte so ein Unterfangen daher wohl kaum riskiert.
Der Unfall-Variante, mit der sich der Angeklagte verantwortet, konnte Eder nichts abgewinnen: "Aus technischer Sicht wurde die Detonation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht durch Eigenmanipulation ausgelöst."
Bei dieser Annahme hätte Petra M. nämlich an der Granate herumhantieren und vor der Explosion mit ziemlicher Sicherheit noch das Umschlagen des Schlägers hören müssen. Aus den Spuren ergebe sich aber, dass sie zum Zeitpunkt der Detonation keine Flucht- oder Abwehrhaltung einnahm: "Sie hat vertraut in das Detonationszentrum geblickt."
Sprengfalle kostete der Frau das Leben
Laut Eder kostete sie eine relativ einfache "Sprengfalle" das Leben: Die Granate dürfte demnach mit einem 110 Zentimeter langen schwarzen Müllsack umwickelt worden und mit einem Kleinkalibergewehr beschwert worden sein, um zunächst das Abgleiten des Bügels zu verhindern. Als Petra M. die Last anhob, vergingen laut Gutachten drei bis maximal 4,5 Sekunden, ehe es krachte.
"Die Art der Sprengfalle war auf Entlastung aufgebaut", sagte Eder. Ein Druck von 30 Bar habe auf die Frau eingewirkt.
Wie der Gerichtsmediziner Daniele Risser erklärte, hatte die 39-jährige Mutter einer zwölf Jahre alten Tochter keine Überlebenschance. Eine Handgranate enthält 2.500 bis 3.000 Splitterteile. Über 100 Treffer zählte man an der Leiche. Risser sprach von einer "Durchsiebung des Herzen und beider Lungenflügel".
Der Prozess soll am Freitag zu Ende gehen. Dem Angeklagten droht bei einem Schuldspruch lebenslange Haft.
(apa/red)
