Montag, 10. Oktober 2005

Ein Viertel der Österreicher lungenkrank: Rauchen steigert Gesundheitsrisiko enorm

  • Viel mehr Betroffene als ursprünglich angenommen
  • Raucherhusten kann mit tödlicher Erkrankung enden

So schädigt das Rauchen die Gesundheit der Österreicher: 26 Prozent der Menschen über 40 in der Allgemeinbevölkerung zeigen bei der Lungenfunktionsprüfung Anzeichen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Behandlungsbedürftig sind auf jeden Fall rund elf Prozent. Das ist wesentlich mehr als bisher angenommen. Den Beweis dafür hat eine brandneue Studie von Univ.-Doz. Dr. Michael Studnicka am Landeskrankenhaus Salzburg (Universitätsklinik) erbracht.

"Wir haben im Rahmen eines internationalen Studienprojekts zwischen Oktober 2004 und März 2005 rund 2.200 Salzburger untersucht. Komplette Daten haben wir von rund 1.400 Personen im Alter über 40", sagte der Lungenspezialist am Wochenende beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie in Wien gegenüber der APA.

Bisher war man in Österreich von bis zu 800.000 Menschen ausgegangen, die an der nicht heilbaren Lungenerkrankung leiden. Betroffen wären - so die Annahme vier bis sechs Prozent Prozent der Männer und ein bis drei Prozent der Frauen. Jeder fünfte bis dritte Raucher entwickelt eine COPD. Das ist abhängig von der Zahl der gerauchten Zigaretten, der Dauer der "Raucherkarriere" sowie individuellen genetischen Bedingungen.

Alarmierende Situation bei Erkrankungen
Doch die neuen Daten aus Salzburg - sie dürften sich durchaus auf Gesamtösterreich umlegen lassen - deuten auf eine alarmierende Situation bei den respiratorischen Erkrankungen hin. Studnicka: "Die Häufigkeit der COPD bei Menschen über 40 im Stadium I oder schwerer (bis Stadium IV, Anm.) liegt bei 26,1 Prozent. Eine COPD im Stadium II oder schwerer - also auf jeden Fall behandlungs- und rehabilitationsbedürftig - haben 10,7 Prozent der Menschen."

Erschütternd: In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen ist die Häufigkeit der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung mit 33,9 Prozent bei den Frauen bereits höher als bei den Männern mit 27,5 Prozent. Der Spezialist: "Wir müssen darüber hinaus davon ausgehen, dass 75 Prozent der COPD-Erkrankungen vom Stadium II und darüber nicht diagnostiziert und daher auch nicht behandelt werden."

Es beginnt mit "Raucherhusten"...
Dabei ist die COPD eine echte Killerkrankheit: Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung mit dem Beginn als "Raucherhusten" und dem möglichen Ende mit einer tödlichen Lungenüberblähung (Emphysem) wird international von der sechsten Stelle der Todesursachen im Jahr 1990 auf die dritte Stelle im Jahr 2020 vorrücken. Weltweit leiden derzeit rund 600 Millionen Menschen an dem Leiden. Sie fordert pro Jahr drei Millionen Todesopfer.

COPD ist auch tödlicher als viele andere Erkrankungen: In den USA ist zum Beispiel zwischen 1965 und 1998 die Sterblichkeit in Folge von koronaren Herzkrankheiten (Infarkt etc., Anm.) um 59 Prozent gesunken, beim Schlaganfall waren es 64 Prozent. Die Sterblichkeit in Folge der COPD ist hingegen um 163 Prozent gestiegen. (apa/red)

10.10.2005 12:09