Freitag, 7. Oktober 2005

Wege aus dem Sommerloch im Tourismus: Experte rät zu Schlechtwetter-Einrichtungen

  • Warmwasser-Erlebnisbäder, Funparks & Co gefordert
  • Die Sommersaison driftet zunehmend in der Herbst

Während der Städtetourismus nach wie vor boomt, musste die österreichische Ferienhotelliere diesen Sommer einmal mehr Nächtigungsrückgänge hinnehmen. Tourismusberater Manfred Kohl führt die schlechten Zahlen im Sommertourismus vor allem auf fehlende Schlechtwetter-Einrichtungen zurück. Fun-Parks, Warmwasser-Erlebnisbäder und Co. könnten das marode Geschäft ankurbeln, so der Experte.

Alternativen für trübe Tage
Schlecht geführte Betriebe und Destinationen gehören laut Kohl zu den größten Verlierern des Sommertourismus, diese hätten sich auf andere - etwa auf den Bürgermeister, die Regierung, das Wetter, die Bergbahnen oder den deutschen Markt - verlassen. Die Branche brauche mehr - buchungsentscheidende - Schlechtwettereinrichtungen, meint Kohl. Oft fehle es am Wesentlichen, es gebe kein Warmwasser-Erlebnisbad, keinen Fun-Park und zu wenig attraktive Ausflugsziele. Wie im Winter brauche auch der Sommer buchungsentscheidende Infrastrukturen für trübe oder regnerische Tage.

Österreich soll Wellness-Destination Nr. 1 werden
Die Ausflugsziele sollten außerdem wetterunabhängiger und familienfreundlicher gemacht werden rät der Tourismusberater. Ausflugsziele seien ein ideales Beschäftigungsprogramm - nicht nur bei fehlendem Sonnenschein. Die Angebote würden noch zu wenig auf den Familienverbund ausgerichtet. "Wellness ist ein starker Hebel", betonte Kohl. Die gute Auslastung der Betriebe und Destinationen mit Wellness würden dies belegen, Österreich müsse in Europa die Wellness-Destination Nr. 1 sein. Der österreichische Tourismus sei außerdem zu stark vom deutschen Markt abhängig, kritisiert Kohl. Preisdumping helfe nicht, "panische Preisnachlässe" würden zwar die Auslastung beleben, seien mittelfristig jedoch schädlich. Ein cleveres und durchdachtes Preis-System sei unverzichtbar.

Sporttrends fördern
Weiters gebe es in Österreich zu wenig zeitgemäße "Mittelklasse-Hotels", meint Kohl. Das Angebot von preiswerten Hotels im mittleren Preissegment sei zu wenig attraktiv, neben den Top-Hotels im Premiumsegment und den Low-Budget-Anbietern sei ein spürbares Defizit entstanden. Megatrends wie Radfahren, Nordic Walking und neues Wandern müssten in Österreich professioneller organisiert werden - hinsichtlich Beschilderung, Wartung der Wege, Kartenmaterial, Servicestationen, Packages und Events. Nur wenige Regionen würden Spitzenqualitäten bieten; die Vernetzung von Infrastrukur, Betrieben und Region funktioniere selten durchgängig. Auch wetterresistente Kulturangebote müssten weiter forciert werden, rät Kohl.

Herbst ist der neue Sommer
Als Trend zeige sich, dass die Sommersaison in den Herbst drifte, der Sommer verschiebe sich in Richtung September - verbunden mit einer immer kurzfristigeren Urlaubsentscheidung. Der Juli werde dadurch zum Sorgenkind. (apa/red)

7.10.2005 14:41