Montag, 3. Oktober 2005

Computer-Steuerung mit den Gedanken: Gelähmte können sich so wieder bewegen!

  • Gehirnforscher tagen am 6. und 7. Oktober in Graz
  • 1. Erfahrung mit Chip im Menschen-Gehirn präsentiert

Sie wandeln Gedanken in Computersignale um, die wiederum die Glieder von gelähmten Menschen bewegen, messen den Energieaufwand beim Denken oder untersuchen die Übermittlung des Schmerzes vom Magen-Darm-Trakt an das Gehirn: Die steirischen Gehirnforscher der Plattform "INGE St.". Am 6. und 7. Oktober stellen sie und ihre internationalen Kollegen in Graz ihre Forschungsthemen vor. Unter anderem werden von einem amerikanischen Wissenschafter die ersten Erfahrungen mit einem im menschlichen Hirn implantierbaren Chip vorgestellt.

Hilfe für Gelähmte
Auch in der Steiermark beeindrucken Forscher mit ihren Ergebnissen in den Neurowissenschaften. Der Brain-Computer-Interface (BCI)-Forschung, der direkten Kommunikation zwischen Gehirn und Computer, sind beispielsweise bereits Aufsehen erregende Erfolge gelungen: Die Forscher am Institut für Human-Computer Interfaces der TU Graz konnten unter anderem einem Querschnittgelähmten mit Hilfe von Willensimpulsen aus dessen Gehirn wieder Öffnen und Schließen seiner Hand und dadurch selbstständiges Essen und Trinken ermöglichen. Dazu werden hirnelektrische Signale, die über am Kopf befestigte Elektroden gesammelt werden, von einem Computer in Signale umgewandelt, mit denen ein Computer wiederum Prothesen steuert.

Mit Gedanken am Computer schreiben
Für den 6. und 7. Oktober hat die Forschungsplattform "Initiative Gehirnforschung Steiermark" (INGE St.) internationale Neurowissenschafter zu einem Symposium nach Graz geladen. Niels Birbaumer spricht über die Möglichkeiten der modernen Neurowissenschaften. Der Tübinger Psychologe war weltweit der erste, dem es gelang, Patienten mit Lock-in-Syndrom wieder Kommunikation zu ermöglichen: Mittels BCI ließ er betroffene Personen mit der Kraft ihrer Gedanken am Computer schreiben.

Im Gehirn implantierter Chip
Über erste Erfahrungen mit einer Neuroprothese in Form eines implantierbaren Chips im Menschen wird Gerhard Friehs von der Brown University in Providence, Rhode Island, sprechen. Vorträge über künstliches Sehen oder Roboterkontrolle in der Rehabilitation sind weitere Tagungsthemen. (apa/red)

3.10.2005 11:50