Freitag, 7. Oktober 2005

Schmiergeldaffäre bei BMW weitet sich aus:
3 neue Verdächtige wurden festgenommen

  • Ermittlungen auf zwei weitere Zulieferer ausgedehnt

Die Schmiergeldaffäre bei dem Autobauer BMW weitet sich nach Angaben der Münchener Staatsanwaltschaft aus. Es bestehe der Verdacht, dass ein Mitarbeiter von BMW von zwei weiteren Zulieferfirmen insgesamt 450.000 Dollar (373.103 Euro) an Schmiergeldern erhalten habe, gab die Staatsanwaltschaft München am Freitag bekannt. Dafür sollten sie bei der Auftragsvergabe sowie beim Erhalt von Insider-Informationen bevorzugt werden.

Der 54-jährige Verdächtige, der bereits in Untersuchungshaft war, sei nun erneut festgenommen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. BMW teilte mit, dass der Mitarbeiter der Einkaufsabteilung nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen ihn Ende Juli entlassen wurde. Damals stand er unter Verdacht von einem bei Zwickau ansässigen Zulieferer 100.000 Dollar Bestechungsgeld genommen zu haben, um diesen bei der Aufgabe von Verträgen zu bevorzugen. BMW sei daran interessiert, den Sachverhalt schnellst möglich aufzuklären, so die Sprecherin.

Im Rahmen der weiteren Ermittlungen seien Ende September zwei weitere Zulieferfirmen in Amberg und Vilsbiburg durchsucht worden, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Dabei seien zahlreiche Unterlagen sichergestellt worden. Drei weitere Beschuldigte seien ebenfalls verhaftet worden. Sie hätten den Tatvorwurf aber bisher nicht zugegeben.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld bestätigte auf Anfrage, dass es sich bei den beiden Zulieferbetrieben um die bayerischen Unternehmen Grammer (Amberg) und Dräxlmaier (Vilsbiburg) handele. Zwei der weiteren Verhafteten seien Mitarbeiter von Grammer, zu der dritten Person wollte Schmidt-Sommerfeld "aus taktischen Gründen" keine Angaben machen. Bei BMW seien aber keine weiteren Mitarbeiter betroffen.

Laut Staatsanwaltschaft gab es bereits am 22. September in Zusammenarbeit mit der Korruptionsstelle des Polizeipräsidiums München Durchsuchungen in den Firmenräumen der beiden Zulieferer sowie in den Wohnungen der "verantwortlichen Mitarbeiter". Dabei seien zahlreiche Unterlagen sichergestellt worden, die nun ausgewertet werden müssten. Nach Einschätzung Schmidt-Sommerfelds werden die Ermittlungen noch mehrere Monate in Anspruch nehmen, an eine Anklage sei erst im kommenden Jahr zu denken.

Grammer erklärte, man habe die hauseigene Revision mit einer "lückenlosen Sonderprüfung" beauftragt, es sei aber noch zu früh, um über Ergebnisse zu sprechen. Man habe der Staatsanwaltschaft die uneingeschränkte Unterstützung zugesichert. Bei Dräxlmaier wollte sich zunächst niemand zu dem Thema äußern. (apa)

7.10.2005 13:44