Donnerstag, 6. Oktober 2005

Die Lizenz zum Gelddrucken: Österreich
will bald Euro für ganz Europa herstellen

  • Notenbank macht sich fit für das große EU-Geldbiz
  • NEWS erstmals inside der heimischen Geldfabrik

Rein äußerlich ist es ein großes Gebäude mit schöner Architektur. Ansonsten merkt man dem Haus in der Garnisongasse 15 im neunten Wiener Gemeindebezirk wenig an. Vor allem nicht, dass hier ständig ein Milliardenschatz hinter zentimeterdicken Stahlwänden fünf Kellergeschoße tief unter der Erde lagert. Was Wunder, handelt es sich hierbei doch um die Zentrale der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS). Die hat wirklich die Lizenz zum Gelddrucken. Und dies womöglich schon bald für ganz Europa. Dafür fühlt sich die hundertprozentige Tochter der Nationalbank nach einem harten Sanierungskurs fit genug. NEWS durfte exklusiv durch die zahlreichen Sicherheitsschleusen ins streng gehütete Hochsicherheitsherz der OeBS vordringen, wo man Papier zu Geld macht.

Wolfgang Duchatczek, Aufsichtsratschef der OeBS, noch Anfang 2004 wenig Grund zur Freude. Denn die Banknotendrucker hatten gut ein Drittel Überkapazitäten angesammelt und die Bilanz war tiefrot. "Es war klar, dass massiver Handlungsbedarf bestand", erklärt Duchatczek im NEWS-Gespräch. Produktivitätsberater Alois Czipin wurde geholt, der das Anpassungsbedürfnis in der Produktion analysierte und die Sanierung über Wochen begleitete - mit Erfolg. Denn schon heuer wird OeBS-Geschäftsführer Johannes Miller eine schwarze Null ausweisen können. Der Preis dafür: Rund 100 der ursprünglich 330 Mitarbeiter mussten gehen, und mit ihnen die erste und zweite Managementebene.

Mit Qualitäts-Euros auf Europakurs. Österreichs Gelddrucker tun auch gut daran, sich gut aufzustellen, denn die Europäische Zentralbank (EZB) feilt bereits an der nächsten Euro-Serie. Bereits Ende dieser Dekade sollen die ersten neuen Euros ausgeliefert werden. Dabei stellen sich Europas Notenbanken einem beinharten Wettbewerb. Galt bisher das Prinzip, dass jede Nationalbank für das eigene Geldkontingent zuständig ist, soll es künftig einen freien Wettbewerb mit Ausschreibungen geben. "Wir sind bereit und werden uns um den Druck freier Euro-Kontingente bewerben", gibt sich Duchatczek zuversichtlich.

6.10.2005 15:14