Mittwoch, 5. Oktober 2005

Zwei Jahre nach Bilanzskandal: Italienische
Parmalat kehrt erfolgreich an Börse zurück

  • Startpreis der Aktien wurde mit 3,15 Euro festgelegt
  • Mailand: Zwei Jahre nach großem Bilanzskandal

Zwei Jahre nach dem spektakulären Bilanzskandal ist der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat an die Börse in Mailand zurückgekehrt. Das Parmalat-Papier ging mit 3,15 Euro in den Handel. Insgesamt waren Parmalat 1,6 Mrd. Aktien im Wert von jeweils einem Euro zugewiesen worden. Das Relisting war Anfang der Woche bekannt gegeben worden, nachdem der Konzern der italienischen Börsenaufsicht wichtige Dokumente vorgelegt hatte. Reges Interesse lösten die Aktien der neuen Parmalat aus. Wenige Stunden nach Verhandlungsbeginn waren bereits über zehn Prozent des Kapitals getauscht worden.

Der Startpreis wurde im Parterre der Mailänder Börse bekanntgegeben, wo sich der italienische Industrieminister, Claudio Scajola, und der Insolvenzverwalter des Milchmultis Enrico Bondi befanden. Bondi wurde von Börsianern mit Enthusiasmus beklatscht. "Die Wiederzulassung von Parmalat ist ein weiteres Zeichen dafür, dass italienische Unternehmen - die sich dem Markt mit klaren Ideen und weit reichenden Visionen präsentieren - auch Antworten bekommen", erklärte der Chef der Borsa Italiana, Massimo Capuano.

"Die Börsenrückkehr ist ein Sieg für Italien in all seinen Komponenten: Das Parlament, die Regierung, die Börse, die Arbeitnehmer und unsere Kunden. Italien hat nach dem Skandal reagiert und sein Unternehmen verteidigt. Wir haben in diesen Monaten die Welle von Sympathie und Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gespürt, die unseren Zusammenbruch abgewendet hat", betonte Bondi. Der Manager zeigte sich mit dem Startpreis der Parmalat-Aktien an der Börse zufrieden. "Der Preis ist durchaus in Ordnung", sagte Bondi.

Sanierungstalent steht an der Spitze
Der Insolvenzkommissar wurde für seine Sanierungsarbeit von der Regierung Berlusconi gelobt. Industrieminister Scajola drängte ihn zum Verbleib an der Spitze des Konzerns. "Parmalat muss in dieser Startphase noch begleitet werden und Bondi ist die geeignete Person, um zur Stabilisierung des Unternehmens auf den Markt beizutragen", betonte der Minister. Der 69-jährige Bondi, der wegen seines Sanierungstalents in Italien anerkannt ist, wollte nicht klären, wie lang er noch an der Spitze Parmalats bleiben werde. In den vergangenen Tagen hatten Gerüchte für Aufruhr gesorgt, nach denen der Toskaner die Führung der krisengeschüttelten Fluggesellschaft Alitalia übernehmen wolle.

Der toskanische Top Manager hat zwar das geplante Relisting geschafft, vieles bleibt aber noch zu tun, um dem Konzern eine Zukunft zu sichern. Bondi muss seinen Feldzug gegen italienische und ausländische Banken fortsetzen. Er verlangt von den Gläubigerbanken Parmalats wie der Citigroup, Deutsche Bank und UBS einen Schadenersatz von insgesamt 20 Mrd. Euro. Er will ihnen nachweisen, dass sie lange vor dem Konkurs von der schwierigen Finanzlage des Unternehmens wussten.

Geprellte Investoren haben kaum Grund zu feiern
Kritisch zeigten sich die Konsumentenschutzverbände. "Die Regierung und die Banken feiern Parmalats Rückkehr an die Börse. Leider haben die geprellten Investoren kaum Grund zu feiern. Sie haben durchschnittlich 85 Prozent des Kapitals verloren, das sie in Parmalat-Obligationen investiert haben", sagte ein Sprecher des Konsumentenschutzverbands Codacons.

Die Parmalat-Aktionäre werden am 7. November tagen, um den Aufsichtsrat des Unternehmens zu ernennen. Die Gläubigerbanken des Milchmultis treten als Großaktionäre auf. Die römische Bankengruppe Capitalia gilt derzeit mit 5,5 Prozent als größter Aktionär, vor JP Morgan mit 2,3 Prozent und Banca Intesa mit 2,1 Prozent.

Parmalat war Ende 2003 unter einem erdrückenden Schuldenberg zusammengebrochen, nachdem die Konzernführung um den Gründer Calisto Tanzi jahrelang Bilanzen gefälscht hatte. Der Prozess gegen Tanzi und weitere Manager hat vergangene Woche in Mailand begonnen. (apa/red)

5.10.2005 22:30