Montag, 3. Oktober 2005

Arbeitslosigkeit im September auf Rekord-hoch: 220.464 Österreicher sind ohne Job

  • Inklusive Schulungen waren fast 270.000 arbeitslos
  • Um über 16.000 mehr als noch vor einem Jahr

Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat einen neuen Rekord erreicht. 220.464 Menschen suchten Ende September einen Arbeitsplatz. Mit 6,3 Prozent Arbeitslosenquote (vorläufiger Wert) wurde heute, Montag, der höchste September-Wert seit 1970 registriert. Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit um 5,7 Prozent oder um 11.845 Jobsuchende an, geht aus der aktuellen Statistik des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. Rechnet man die 49.509 in Schulung befindlichen Arbeitslosen dazu, waren im September 269.973 Österreicher oder 7,6 Prozent arbeitslos. Das waren um 6,4 Prozent oder um 16.226 Betroffene mehr als vor einem Jahr.

Überdurchschnittlich angestiegen ist im September die Jugendarbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahre stieg um 11,6 Prozent auf 40.837 Jugendliche ohne Job an. Die Zahl der männlichen Arbeitslosen stieg im September um 4 Prozent auf 113.995 Personen, die der Frauen nahm um 7 Prozent auf 106.469 Jobsuchende zu.

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit im September waren alle Bundesländer betroffen: Den stärksten Zuwachs bei den Jobsuchenden mussten die Tourismusländer Tirol mit plus 13,0 Prozent und Vorarlberg mit plus 11,7 Prozent verkraften. Ebenfalls zweistellig mit plus 10,2 Prozent war der Zuwachs in Oberösterreich. In Wien nahm die Arbeitslosigkeit mit plus 2,1 Prozent deutlich unter dem Bundesschnitt von 6 Prozent zu.

Die meisten Arbeitslosen entfielen auf den Dienstleistungssektor mit plus 6,2 Prozent auf 136.696 Jobsuchenden. Den größten Zuwachs mit plus 8,5 Prozent auf 34.045 entfiel dabei auf den Fremdenverkehr. Im Handel waren fast 40.000 Personen arbeitslos, was einem Zuwachs von 3,9 Prozent entspricht.

Anstieg auch bei Schulungen
Bei den Lehrstellensuchenden gab es im September ein Plus von 7,69 Prozent auf 7.898 Betroffene. Die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen nahm um 53,6 Prozent auf 4.224 Stellen zu. Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten offenen Stellen hat sich im September um 13,0 Prozent oder um 3.216 auf 27.947 Arbeitsplätze erhöht. Mit 49.502 Schulungen waren im September um 9,7 Prozent oder um 4.374 mehr Arbeitslose in Schulung als vor einem Jahr. In Schulung befindliche Arbeitslose scheinen nicht in der offiziellen Arbeitslosenstatistik auf.

Die Ursachen für die Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt liegen weiterhin in der verhaltenen Konjunktur und dem Beschäftigungsrückgang in der Sachgütererzeugung, so das Wirtschaftsministerium. 22,4 Prozent des Anstiegs der Arbeitslosigkeit seien auf den Tourismus zurückzuführen. Unverändert sei auch der Anstieg des Arbeitskräftepotenzials und vor allem der anhaltende Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland.

Nach Schätzungen des Ministeriums beträgt die Zahl der unselbstständig Beschäftigten Ende September 3,282.000. Das bedeutet einen Anstieg von rund 33.000 bzw. plus 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 23.708 (plus 2.917 bzw. plus 14,0 Prozent) haben 10,8 Prozent der vorgemerkten Personen eine Einstellungszusage für einen neuen Arbeitsplatz.

SPÖ sieht dramatische Lage, ÖVP freut sich
Die Reaktionen auf die Arbeitslosigkeit fielen unterschiedlich aus: Während SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures eine dramatische Lage sieht und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) vorwirft seine Versprechen insbesondere jungen Menschen gegenüber gebrochen zu haben, freut sich ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll über einen "Blum-Effekt" angesichts der Steigerung der gemeldeten offenen Lehrstellen.

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch hingegen kritisiert angesichts von rund 270.000 Arbeitslosen die Maßnahmen der Regierung als zu spät oder halbherzig. Notwendig sei die Ankurbelung der Binnennachfrage durch eine Steuerentlastung für kleine und mittlere Einkommensbezieher. (apa/red)

3.10.2005 12:33