Sonntag, 9. Oktober 2005

Klinsmann ist nach dem 1:2 in der Türkei sauer wie nie: Noch bleibt WM-Titel das Ziel

  • Deutschlands Teamchef: "Das war gar nichts"
  • Kahn fordert nach Ausrutscher eine "große Reaktion"

So sauer und laut ist Jürgen Klinsmann noch nie gewesen! Aber vom Titelgewinn als WM-Ziel für die Fußball-WM 2006 im eigenen Land will der Schwabe trotz der erneuten Ernüchterung und des aufkommenden Gegenwindes aus der Deutschen Bundesliga nicht abweichen.

Als der deutsche Bundestrainer nach dem entlarvenden 1:2 (0:1) in der Türkei am Sonntag das Charter-Flugzeug nach Hamburg bestieg, wo am Mittwoch die Wiedergutmachung gegen China ansteht, hatte der Daueroptimist erstmals seit seinem Amtsantritt sein Lächeln verloren. Zumal er vor dem Abflug auch noch Kapitän Michael Ballack endgültig für das China-Spiel streichen musste.

"Das war gar nichts", wetterte Klinsmann mit geballter "Faust in der Tasche" über die desaströse erste Spielhälfte von Istanbul. Das Personal hatte fast geschlossen die Vorgaben seines Chefs ignoriert und war nur durch die Großzügigkeit der Gastgeber einer größeren Blamage entgangen. "Da platzt einem schon mal ein bisschen der Kragen", verriet Klinsmann.

Deutsche Diskussionen bis halb drei Uhr früh
In der Pause hatte der Coach seinem Ärger lautstark Luft gemacht, nach der zweiten Auswärtspleite nacheinander diskutierte die sportliche Leitung im Teamquartier "Ciragan Palace" bis nachts um halb drei die Ursachen für den erschreckenden Auftritt am Bosporus. "Natürlich macht man sich viele Gedanken", berichtete Klinsmann am Sonntag. "Ratlos waren wir nicht - aber sauer", beschrieb Assistent Joachim Löw die Stimmungslage.

Die Verantwortlichen berieten besonders darüber, warum es trotz einer intensiven Auswertung so viele negativen Parallelen zum 0:2 vor einem Monat in der Slowakei gab. "Ich weiß nicht, wovor wir Angst hatten", rätselte auch Kapitän Oliver Kahn über die alarmierenden Fehlleistungen seiner Vorderleute. Der Bayern-Keeper forderte für die Partie gegen Aufbaugegner China eine "große Reaktion", auch um die Diskussion über die WM-Tauglichkeit einzudämmen.

Die hatte in Istanbul als Erster "Fast-Bundestrainer" Christoph Daum verschärft. "So habe ich größte Bedenken für die Weltmeisterschaft 2006. Das waren in der ersten Hälfte nur Einzelspieler, das war keine Mannschaft. Die Spieler finden keine Bindung untereinander und zum Gegner. Mit Begeisterung allein kann man auf Dauer keine Erfolge erzielen", meinte der ehemalige Austria-Coach zur blamablen Vorstellung der Deutschen.

(apa/red)

9.10.2005 14:49