Sonntag, 9. Oktober 2005

Erster Engländer mit zwei Ausschlüssen: Ibertsberger brachte Beckham auf Palme!

  • Flankengott sagte beim "Hand Shake": "Well done"
  • Ruttensteiner: "Klar war es eine Fehlentscheidung"

Andreas Iberstberger wurde nach Schlusspfiff im Old Trafford von Manchester von Interview zu Interview gereicht - vor allem die britische Presse riss sich um jenen 23-jährigen "Nobody" vom deutschen Zweitligisten SC Freiburg, der Englands Flankengott David Beckham innerhalb von nicht einmal 120 Sekunden auf die Palme brachte und Duschen schickte. Beckham ist nach der gelb-roten Karte nun der erste Spieler der 133-jährigen englischen Fußball-Länderspiel-Historie, der zwei Mal ausgeschlossen worden ist.

Ausgerechnet in seiner langjährigen Heimatstadt Manchester flog die ManU-Legende vom Platz. Nach knapp einer Stunde sah der nunmehrige Real-Madrid-Star nach einem Kopfballduell mit Ellbogeneinsatz gegen Ibertsbeger Gelb, Sekunden später foulte er aufgebracht den Blondschopf im Mittelfeld, wenige Augenblicke danach "legte" der mittlerweile entnervte Beckham den theatralisch fallenden Ibertsberger in der Nähe des englischen Strafraums - der spanische Referee Luis Medina Cantalejo zückte Gelb-Rot, das Stadion tobte.

Während der Captain trotz des Ausschlusses von seinen Fans mit Standing Ovations verabschiedet wurde, marschierte Beckham auf Ibertsberger zu. "Er hat 'well done' gesagt und mir die Hand geschüttelt. Angst habe ich keine gehabt, denn runterhauen wird er mir ja keine. Aber überrascht war ich schon, als er auf mich zukam", berichtete Ibertsberger vom "Hand Shake" mit "Becks". Danach war Ibertsberger 30 Minuten lang der Buhmann der englischen Nation, der Deutschland-Legionär wurde bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgebuht.
Über die Regelauslegung des "Schiris" lässt sich wahrlich streiten. "Die erste Verwarnung war hart und die zweite noch härter", sprach Beckham von einem schlechten Witz. Kontrahent Ibertsberger empfand den Beckham-Ausschluss ebenfalls als sehr hart und bestritt eine Schwalbe bei der ersten Gelben: "Das erste Vergehen war keine Gelbe Karte, bei der zweiten war er selbst Schuld, denn er hat meinen Fuß berührt."

Ruttensteiner korrekt: "Klar war es eine Fehlentscheidung"
Dass Ibertsberger dann spektakulär abhob, entlockte auch der sportlichen ÖFB-Führung ein Schmunzeln. "Klar war es eine Fehlentscheidung. Aber dass Ibertsberger einen Beckham-Ausschluss provoziert, zeigt ganz deutlich, wie viel er in Freiburg schon dazugelernt hat", meinte Ruttensteiner. "Beckham live aus zehn Metern-Entfernung" riss übrigens sogar den Interimschef vom Trainersitz: "Solche Flanken schießt kein anderer auf der Welt. Wahnsinn."

Beckham hat damit einen traurigen Platz in den englischen Geschichtsbüchern sicher: Er ist der erste englische Teamkicker der Geschichte (seit 1872) mit zwei Ausschlüssen. Die Premiere hatte es bei der WM 1998 gegen Argentinien gegeben, der damalige Jungstar war darauf jahrelang von der heimischen Presse fürs WM-Out verantwortlich gemacht und medial schwer geprügelt worden.

Im Spiel am Mittwoch gegen Polen, in dem es "nur" noch um den Gruppensieg geht, ist Beckham logischerweise gesperrt. Die FA überlegt jedoch einen Einspruch gegen den Ausschluss.

(apa)

9.10.2005 14:21