Countdown für Turin hat längst begonnen: Sölden-Rennen als Kick Off für Olympia-Quali
- Heftig kritisiertes "Wettbremsen" in der Abfahrt bleibt
- Harte Ausscheidung für Startplätze in Turin erwartet
In nicht einmal zwei Wochen geht in Sölden der Auftakt zum alpinen Ski-Weltcup 2005/2006 in Szene. Die Gletscherrennen sind auch der Kick Off in den Olympiawinter. Und während beim einstigen Erzrivalen Schweiz die Skistars vor dem "Aussterben" gerettet werden müssen, ist Sölden auch der Beginn der beinharten, internen ÖSV-Olympia-Selektion. "Die Qualifikation für Turin wird weitaus härter als die für eine Weltmeisterschaft", weiß Alpinchef Hans Pum aus leidgeprüfter Erfahrung.
Bei Olympia hat der ÖSV nicht nur geringere Kontingente, auch Titelverteidiger (Fritz Strobl) sind im Gegensatz zu Weltmeisterschaften nicht automatisch qualifiziert. "Eine Olympia-Qualifikation ist wirklich das Zäheste", ist sich Herrenchef Toni Giger bewusst, zeigt aber Humor. "Ich hoffe sogar, dass es Diskussionen gibt. Das heißt nämlich, dass wir eine starke Mannschaft haben."
Über den sportlichen Sinn des frühen Saisonstarts am 22./23. Oktober in Sölden, über einen Monat vor den Nordamerika-Rennen und fast vier Monate vor den Turin-Spielen im Februar, scheiden sich bekanntlich die Geister. Hermann Maier spielt die Bedeutung stets herunter, selbst Pum schränkt ein: "Für uns ist jedes Rennen wichtig. Aber für Spezialisten hat Sölden einen ganz anderen Stellenwert als für jene, die mehrere Disziplinen bestreiten und daher auch mehr trainieren müssen."
Lange Pause nach Rennen in Sölden
Auch Giger tickt ähnlich. "Ein Heimrennen ist für uns immer ein Höhepunkt, egal wann es stattfindet. Sölden ist immer ein tolles Rennen. Aber natürlich sind Viele im Training noch nicht so weit." Diesen Spagat müsse man aber in den Griff bekommen. Giger: "Wenigstens hatten wir heuer nicht so viele Materialwechsel, wir werden in Sölden bereiter sein als im Vorjahr."
Ein Spagat wird auch das Steuern der Formkurve hinsichtlich Olympia. Zumindest hier erledigt sich in Österreich das Problem aber irgendwie von selbst. "Die Mannschaft muss sich ohnehin in den Rennen davor heraus kristallisieren", weiß Pum, dass für seine Stars der Olympia-Countdown längst begonnen hat.
Ringen um die Startplätze
Die Uhren ticken bereits kommende Woche bei den Zeitläufen für die Rennen in Sölden. Bei den ÖSV-Damen, die zuletzt auch Slalom in der Halle in Landgraaf (Niederlande) trainiert haben, sind die Top 20 der Weltrangliste (Hosp, Görgl, Dorfmeister, Götschl, Zettel, Kirchgasser) fix, drei weitere Plätze werden in den Qualiläufen vergeben.
Wer von den Arrivierten bei der internen "Leistungsschau" (Giger) der Herren (11 Startplätze) in die Quali muss, war noch offen, weil das Schlechtwetter zwar ausreichend Neuschnee nach Sölden brachte, das Training der ÖSV-Teams aber deshalb still stand. "Alle sind auf Standby, der Apparat läuft auf Hochtouren", so Pum. So wie es das Wetter zulässt, beginnen im Ötztal, Pitztal, Mölltal usw. die finalen Trainingseinheiten.
Kritisiertes "Wettbremsen" bleibt
Neues von der FIS-Front: Das "Wettbremsen" im Abfahrtstraining bleibt erhalten, allerdings wird es das Qualifikationstraining für die Abfahrt künftig nur noch am dafür vorgesehenen Tag geben. Fällt also etwa das als Qualifikation deklarierte Abschlusstraining aus, kann nicht mehr ein vorangegangenes Training rückwirkend für die Startreihenfolge herangezogen werden. Pum kann damit leben. "Hier gilt es, Marketing und Sport auf einen Nenner zu bringen. Das Spannungselement ist genauso wichtig wie die Fairness gegenüber den Athleten, vor allem den Spitzenfahrern." (apa/red)
