Dienstag, 4. Oktober 2005

Tolles NHL-Debüt von Thomas Vanek: Sieg und Assist beim Einstand in der Elite-Liga

  • 6:4-Erfolg zum Saisonauftakt gegen die NY Islanders
  • Mega-Talent stand bei drei Sabres-Treffern am Eis

Ein Sieg, ein Assist und plus zwei in der Plus/Minus-Wertung - das Debüt von Thomas Vanek in der National Hockey League (NHL) verlief am Mittwoch Abend überaus erfolgreich. Der 21-jährige Steirer gewann mit den Buffalo Sabres das Heimspiel vor 15.702 Zuschauern gegen die New York Islanders mit 6:4 und bereitete dabei den vierten Sabres-Treffer von Maxim Afinogenow (43. zum 4:2) mit einem Idealpass vor.

Ganz glücklich war Österreichs bester Eishockey-Spieler aber nicht. Torhüter Reinhard Divis kam bei der 1:5-Niederlage der St. Louis Blues bei den Detroit Red Wings nach 32:06 Minuten aufs Eis und kassierte nur noch ein Powerplay-Tor.

Vanek mit seiner Leistung nicht zufrieden
"Man muss mit dem Sieg zufrieden sein, ich bin aber nicht zufrieden. Für mich wäre mehr drin gewesen", sagte Vanek, der nun nach Divis, Christoph Brandner (Minnesota Wild) und Thomas Pöck (New York Rangers) der vierte Österreicher ist, der in der stärksten Eishockey-Liga der Welt zum Einsatz gekommen ist.

Vanek hatte in der Vorbereitung voll eingeschlagen. Bei den Fans stand er schon vor seinem ersten Schuss in einem Bewerbspiel hoch im Kurs. Das Trikot mit der Rückennummer 26 war das meistverkaufte im Fan-Shop der HSBC-Arena, die erste Tranche war trotz stolzem Preis von 145 Dollar bereits vor dem Auftakt ausverkauft - als einziges Jersey. Durch fünf Tore in den Testspielen und als bester Torschütze der Sabres hatte er sich die Zuneigung der Fans erspielt.

Enttäuschung über Trainer
Mit Daniel Briere und J.P. Dumont bildete der Rookie die gefährlichste Sturmreihe seines Teams. Doch als es ernst wurde, setzte Trainer Lindy Ruff mehr auf erfahrene Spieler. "In der Vorbereitung habe ich in wichtigen Situationen öfter gespielt, daher bin ich ein bisschen enttäuscht. Der Trainer hatte vielleicht Druck, der Sieg war wichtig. Da hat er mehr auf Routiniers zurückgegriffen, das kann man verstehen", meinte der Flügelstürmer.

In einigen Szenen zeigte aber auch Vanek vor den Augen seiner Eltern und mitgereister Freunde aus der Steiermark ausgezeichnete Übersicht, Spielverständnis und Gefühl. Und warum er 2003 als Nummer fünf gedraftet wurde und mittlerweile als Buffalos größtes Stürmertalent seit einem Jahrzehnt gehandelt wird. Druck, so sagt er, spürt er dennoch nicht. "Das ist für mich kein Problem. Aber heute früh war ich schon ein bisschen nervös, hatte ein bisschen Schmetterlinge im Bauch. Aber mit dem ersten Einsatz war alles vorbei."

Denn der linke Flügel ist es gewohnt, dass sich die Aufmerksamkeit von Fans und Gegenspielern auf ihn fokussiert, seitdem er mit 14 Jahren nach Amerika gegangen ist. Beim größten Nachwuchsturnier der Welt hatte er einst mit 13 Jahren erstmals international aufgezeigt. Bei Sioux Falls Stampede in der US-Juniorenliga (80 Tore und 73 Assists in 108 Spielen), der University of Minnesota (57 Tore/56 Assists in 83 Spielen), der WM 2004 für Österreich (2 Tore/5 Assists in 6 Spielen) und in der Vorsaison als zweitbester Torschütze der AHL im Buffalo-Farmteam Rochester Americans (42 Tore/26 Assists in 74 Spielen) war er stets einer der Top-Scorer.

Platz im Play-Off erklärtes Saisonziel
Und das will der Grazer auch in Buffalo werden. "Unser erstes Ziel ist das Playoff. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben, auch wenn wir keine Superstars haben. Und ich will natürlich Tore schießen", sagte er. Vielleicht klappt es mit dem Premieren-Tor schon am Freitag, wenn die Boston Bruins in der HSBC-Arena zu Gast sind. Dann wird auch seine Freundin Ashley, die noch in Minnesota studiert, auf der Tribüne die Daumen halten.

Wayne Gretzky verliert bei Trainerdebüt
Eine Premiere an der Bande gab es zum NHL-Saisonauftakt auch für Wayne Gretzky. "The Great One" unterlag bei seinem Debüt als Trainer der Phoenix Coyotes bei den Vancouver Canucks mit 2:3. "Natürlich hätte ich es geliebt, zu gewinnen. Aber ich bin froh, dabei gewesen zu sein. Hoffentlich ist das ein Start in eine große Saison für die gesamte Liga", sagte der 44-jährige Superstar.

Einer, der als Gretzkys legitimer Nachfolger gehandelt wird, leistete in seinem ersten NHL-Spiel ein Assist. Der 18-jährige Kanadier Sidney Crosby, die Nummer eins im Draft, leistete bei der 1:5-Niederlage seiner Pittsburgh Penguins bei den New Jersey Devils die Vorarbeit zum Ehrentreffer. Die Ottawa Senators setzten sich nach dem ersten Penalty-Shootout in einem regulären Saisonspiel überhaupt mit 3:2 gegen die Toronto Maple Leafs durch.

Der seit der Saison 2003/2004 amtierende Stanley-Cup-Sieger Tampa Bay Lightning startete die Titelverteidigung mit einem 5:2-Heimsieg gegen die Carolina Hurricanes. Die gesamte vergangene Saison war als erste im US-Profisport einem Arbeitskampf zum Opfer gefallen.

NHL-Auftaktergebnisse vom Mittwoch:
Buffalo Sabres - New York Islanders 6:4
Detroit Red Wings - St. Louis Blues 5:1
Boston Bruins - Montreal Canadiens 1:2
Tampa Bay Lightning - Carolina Hurricanes 5:2
Edmonton Oilers - Colorado Avalanche 4:3
Philadelphia Flyers - New York Rangers 3:5
Washington Capitals - Columbus Blue Jackets 3:2
Florida Panthers - Atlanta Thrashers 2:0
Toronto Maple Leafs - Ottawa Senators 2:3 nach Penaltyschießen
New Jersey Devils - Pittsburgh Penguins 5:1
Nashville Predators - San Jose Sharks 3:2
Chicago Blackhawks - Anaheim Mighty Ducks 3:5
Minnesota Wild - Calgary Flames 6:3
Dallas Stars - Los Angeles Kings 5:4
Vancouver Canucks - Phoenix Coyotes 3:2

(apa/red)

4.10.2005 10:40