Sonntag, 9. Oktober 2005

Nach Katastrophen-Beben in Pakistan: Internationale Hilfsaktionen angelaufen

  • Viele Staaten haben Rettungstrupps entsandt

Zwei Tage nach der größten Erdbeben-Katastrophe in Südasien seit 100 Jahren ist die internationale Hilfe angelaufen. "Bei einem Beben dieser Größenordnung zählt nun jede Stunde", sagte Jan Egeland, der die UN-Katastrophenhilfe koordiniert.

Zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, haben Rettungstrupps nach Pakistan entsandt, um Überlebende aus den Trümmern der Katastrophenregion zu bergen. Die USA zogen aus dem benachbarten Afghanistan acht Hubschrauber ab, um auch die von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfer mit Hilfsgütern versorgen zu können. Die Zahl der Toten könnte nach offiziellen Angaben noch bis auf 40.000 steigen.

"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte eine Sprecherin der UN-Katastrophenhilfe. Bisher ist der Tod von 19.400 Menschen allein in Pakistan bestätigt. Allerdings konnten bis Montag früh die Helfer noch nicht in alle betroffenen Orte in der abgelegenen und bergigen Region vordringen. Mit Hacken, Schaufeln und bloßen Händen suchten Angehörige fieberhaft nach Überlebenden. Zahlreiche starke Nachbeben behinderten die Rettungsarbeiten. Viele Menschen in der Katastrophenregion verbrachten eine zweite kalte Nacht im Freien.

Das Epizentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,6 lag etwa 95 Kilometer nordöstlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad nahe der Grenze zu Indien. Auch dort sowie in Teilen Afghanistans und Bangladeschs schwankten die Häuser.

Pakistans Präsident Pervez Muscharraf bat die Internationale Gemeinschaft um Hilfe. Vor allem Zelte, Decken, Transporthubschrauber und Medikamente würden benötigt. China, Deutschland, Großbritannien und die Türkei schickten Spezialisten. Am vorrangigsten würden Feldlazarette, Notunterkünfte und Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung benötigt, sagte eine Sprecherin der UN-Katastrophenhilfe. "Wir stehen vor großen logistischen Problemen. Wir brauchen beispielsweise mehr Transporthubschrauber", sagte sie. Den Vereinten Nationen (UN) zufolge sind vor allem Kinder von dem Beben betroffen, denn sie machen rund die Hälfte der Bevölkerung in dem Krisengebiet aus. Das Kinderhilfswerk (Unicef) stellte Decken, Medikamente, Kleidung und Nahrung für die Kleinen bereit.

Hilfsangebote für die Bebenregion kamen innerhalb weniger Stunden aus der ganzen Welt. Die Weltbank stellte 20 Millionen Dollar, die Europäische Union (EU) 3,6 Millionen Euro bereit. Deutschland und die Niederlande sagten jeweils eine Million Euro zu. Bei Bedarf würden die Mittel erhöht, teilte das Bundesaußenministerium in Berlin mit. Das Deutsche Rote Kreuz erklärte, ein erstes Flugzeug mit bis zu 40 Tonnen Hilfsgütern werde am Dienstag in das Erdbebengebiet fliegen. Auch Pakistans einstiger Erzrivale Indien versprach zu helfen. Hilfsorganisationen und Papst Benedikt XVI. riefen zu Spenden auf.

(apa/red)

9.10.2005 11:45